In Allogloom verehrt das Dorf Gruesome Grove gefräßige Motten als Heilsbringer. Das handgezeichnete Point-and-Click-Adventure überzeugt im Test mit seiner ungewöhnlichen Welt und starken Bildsprache, lässt bei Komfort und Vertonung aber Potenzial liegen.
Erste Schritte
Allogloom ist seit dem 13. Oktober 2026 für PC via Steam erhältlich und stammt von Galactic Ghosty, hinter dem die neuseeländische Soloentwicklerin Kate steht. Für ihr erstes Spiel verantwortete sie Illustration, Animation, Spieldesign und Geschichte. Beim 15 Stücke umfassenden Soundtrack erhielt sie Unterstützung von Kim Miller, die damit erstmals Musik für ein Computerspiel komponierte.
Galactic Ghosty bezeichnet Allogloom als Liebeserklärung an das Point-and-Click-Adventure. Nach Angaben der Entwicklerin begann ihre Beschäftigung mit Spielen und deren Bearbeitung schon im Alter von etwa elf Jahren. Damals erstellte sie mit Maus und Microsoft Paint kleine eigene Inhalte für bestehende Spiele. Zu den späteren Inspirationsquellen zählten No Need to Hide When It’s Dark Outside, Broken Age und Fran Bow.
Gerade der Einfluss von Fran Bow ist erkennbar. Die Verbindung aus niedlicher und zugleich verstörender Gestaltung, Horrorelementen und einer weiblichen Hauptfigur findet sich auch in Allogloom. Ebenso prägen eine ausführliche Hintergrundgeschichte und zusätzliches Lore-Material die Spielwelt.
Im Juli 2026 übernahm Iceberg Interactive die Veröffentlichung. Der Publisher hatte bereits mit düsteren Spielen wie CLEM und Strange Horticulture Erfahrung gesammelt. Für Kate bedeutete die Zusammenarbeit Unterstützung bei Marketing und Qualitätssicherung, während sie sich auf die letzten Kapitel und den Feinschliff der Rätsel konzentrieren konnte.
Mottenkult
Die Geschichte beginnt im mysteriösen Dorf Gruesome Grove. Dreh- und Angelpunkt für dessen Bewohner ist der Glaube an Motten mit übernatürlichen Fähigkeiten und großem Appetit auf Fleisch. Nach der örtlichen Lehre ist der Übergang einer Seele nur möglich, wenn die Toten von den Motten verspeist und beim nächsten Vollmondzyklus als neue Motten wiedergeboren werden.
Als junge Nora werden wir direkt in die Vorbereitungen dieses schaurigen Rituals einbezogen. Im Tutorial müssen wir dem Familienpapagei Hopper ein Steak entlocken, das als Opfergabe vorgesehen ist, und eine angemessene Darreichung organisieren. Schon dabei zeigt sich, wie ernst die Entwicklerin ihre Welt nimmt. Notizen und Audioaufzeichnungen geben Hinweise für Rätsel, führen aber ebenso in die Mythologie rund um das Gleichgewicht zwischen Menschen und Motten ein.
Nora verfolgt zugleich ein persönliches Ziel. Ihre Mutter Lily verschwand vor einem Jahr spurlos. Obwohl die Motten im Verdacht stehen, bleibt ihr Schicksal ungeklärt. Nora, ihr Vater und ihr Bruder suchen deshalb weiter nach Antworten, auch wenn Nachforschungen in dieser dogmatisch geprägten Gemeinschaft gefährlich werden können.
Als die Feier zum Seelenübergang beginnt, dringen missgestaltete Kreaturen in die Welt ein. Sie töten oder verschleppen die Dorfgemeinschaft. Nora bleibt im verwüsteten Gruesome Grove nahezu ohne Unterstützung zurück und muss herausfinden, was es mit den Wesen und dem Verschwinden ihrer Angehörigen auf sich hat.
Schaurig schön
Ins Auge sticht die teilweise sehr explizite Gewaltdarstellung. Körperteile, Knochen und tote Monster sind über die acht Kapitel verteilt. Das makabere Szenario dürfte nicht jeden Geschmack treffen, passt aber konsequent zur erzählten Welt. Vor allem die Zeichnungen überzeugen: Die vollständig handgezeichneten Schauplätze orientieren sich am Jugendstil und verbinden eine detaillierte Märchenästhetik mit düsterer Fantasy und unheilvoller Atmosphäre.
Besonders gut funktioniert der Kontrast zwischen Niedlichem und Unbehaglichem. Menschen, Monster und Tiere besitzen einen charmanten, teilweise fast knuffigen Look. Blut, groteske Wesen und unheimliche Apparaturen erinnern jedoch regelmäßig daran, dass sich hinter der märchenhaften Fassade etwas Dunkleres verbirgt.
Die Animationen fallen vergleichsweise reduziert aus, was bei einer Soloentwicklung wenig überrascht. Nicht jede Handlung Noras wird visualisiert. Viele kleine Bewegungen im Hintergrund, sanft wiegende Haare und die zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten im Hauptmenü verleihen der Welt dennoch Leben.
Die Zwischensequenzen sind schön choreografiert und belohnen den Spielfortschritt. Beim näheren Heranzoomen wirken Figuren und Hintergründe allerdings recht unscharf, was angesichts des starken Zeichenstils besonders auffällt.
Musikalisch wechselt Allogloom zwischen mysteriösen Klangflächen, melancholischen Momenten und verspielten Melodien. Kim Millers Soundtrack trägt den eigenwilligen Ton des Spiels und setzt vereinzelt sanfte elektronische Klänge ein. Deutsche Texte sind vorhanden, eine Sprachausgabe fehlt jedoch vollständig. Bei einem so dialogreichen Adventure schmälert das die Atmosphäre spürbar.
Auf den Spuren der Ahnen
Die Rätsel orientieren sich an klassischen Point-and-Click-Adventures. Nora erkundet die Umgebung, sammelt Gegenstände und findet heraus, wo sich diese sinnvoll einsetzen lassen. Gespräche mit Bewohnern und übersinnlichen Wesen gehören ebenso zum Spielfluss wie das genaue Absuchen der Schauplätze nach Gegenständen, Notizen und Hinweisen.
Der Schwierigkeitsgrad bleibt überwiegend moderat. Erst in den letzten Kapiteln werden die erkundbaren Bereiche größer; zuvor bewegt sich Nora durch eher kompakte Abschnitte. Benutzte Gegenstände verschwinden häufig aus dem Inventar, etwa weil sie bei ihrer Verwendung kaputtgehen. Dadurch bleibt die Zahl möglicher Kombinationen überschaubar und der Spielfluss weitgehend erhalten.
Mehrfach kommen eigenständige Logikaufgaben zum Einsatz. Ein Bild muss durch ein verlorenes Teil vervollständigt werden, einzelne Fragmente sind in die richtige Position zu drehen oder Mondkonstellationen in einer vorgegebenen Reihenfolge in eine Apparatur einzugeben. Wer die Umgebung gründlich erkundet, findet gewöhnlich rasch die benötigten Hinweise. Eine Option zum Überspringen solcher Aufgaben wäre dennoch hilfreich gewesen. Positiv fällt auf, dass die Rätsel organisch in die Schauplätze eingebunden sind.
Ein Questlog und eine integrierte Lösungshilfe fehlen. Bei einer Spielzeit von ungefähr acht bis zehn Stunden und den meist eng gefassten Umgebungen fällt das kaum ins Gewicht. Mühsamer werden im späteren Verlauf die Laufwege: Es gibt weder eine Sprint-Funktion noch eine Schnellreise. Da Rätselketten über mehrere Welten führen und jeder Weltenwechsel eine eigene Aktion verlangt, entstehen vermeidbare Leerlaufphasen.
Zusammenfassung
FAZIT
Allogloom ist bei der grafischen Gestaltung und beim erzählerischen Aufbau seiner Welt ein starker Titel. Wer sich auf das makabere Szenario rund um menschenfressende Motten einlassen kann, erlebt eine wendungsreiche und spannend inszenierte Geschichte über Noras Suche nach ihren Angehörigen und das Schicksal von Gruesome Grove.
Die fehlende Sprachausgabe und die mitunter langwierigen Laufwege verhindern jedoch, dass das Adventure sein volles Potenzial ausschöpft. Unterm Strich ist Allogloom ein gelungenes Erstlingswerk von Galactic Ghosty, das Genrefans mit seiner außergewöhnlichen Atmosphäre und seinem eigenständigen Stil fesseln kann.
