Willkommen im Ödland – Film- und Serienrezensionen sind bei uns etwas seltener geworden. Nicht nur, weil die Zeit oft fehlt, sondern auch, weil es schon etwas Besonderes sein muss – oder zumindest einen Bezug zu unserem liebsten Hobby haben sollte –, um alte Gamer vom aktiven Protagonisten zum reinen Konsumenten eines so gar nicht interaktiven Mediums zu machen. Bei der Veröffentlichung der ersten beiden Fallout-Staffeln auf 4K UHD und Blu-ray durch Plaion Pictures machen wir allerdings gerne eine Ausnahme.
Schließlich reden wir hier nicht über irgendeine Videospielverfilmung. Diese haben über die Jahre bekanntlich mehr als nur einen Tiefpunkt hervorgebracht. Spätestens, wenn ein gewisser deutscher Regisseur seine Finger im Spiel hatte, waren die Erwartungen vieler Fans meist entsprechend gedämpft.
Fallout gehört dagegen zu den prägendsten Rollenspielreihen überhaupt. Millionen Spieler haben sich über Jahrzehnte durch Vaults, Ruinen und das verstrahlte Ödland gekämpft. Die Mischung aus schwarzem Humor, Retro-Futurismus und postapokalyptischer Gesellschaftskritik macht die Reihe bis heute einzigartig. Entsprechend groß war die Skepsis, als eine Serienadaption angekündigt wurde. Kann man ein Rollenspiel, das so stark von Freiheit, Erkundung und den eigenen Entscheidungen lebt, überhaupt sinnvoll als TV-Serie umsetzen? Die erfreuliche Antwort lautet: Ja, und zwar sogar überraschend gut.
Die erste Staffel spielt rund 200 Jahre nach dem nuklearen Weltuntergang. Im Mittelpunkt steht Lucy, eine Bewohnerin von Vault 33, die ihre geschützte Bunkerwelt verlassen muss, um ihren Vater zu finden. Parallel dazu begleitet die Serie den jungen Maximus, der innerhalb der Brotherhood of Steel seinen Platz sucht, sowie einen geheimnisvollen Ghul-Kopfgeldjäger, dessen Geschichte bis in die Zeit vor dem Großen Krieg zurückreicht. Die drei Handlungsstränge verlaufen zunächst unabhängig voneinander, verweben sich aber zunehmend zu einer größeren Geschichte über Rache, Überleben und die Zukunft der postnuklearen Welt.
Gerade dieser Ansatz erweist sich als große Stärke der Serie. Statt zu versuchen, die spielerische Freiheit der Vorlage direkt abzubilden, zeigen die Autoren das Fallout-Universum aus unterschiedlichen Perspektiven. Lucy erlebt das Ödland mit einer Mischung aus Neugier und Naivität, Maximus gewährt Einblicke in die tendenziell faschistischen Machtstrukturen der Brotherhood of Steel und der Ghul verkörpert den tragischen Antihelden, der durch seinen langen Leidensweg gezeichnet ist. So gelingt es der Serie, die Vielfalt des Fallout-Universums einzufangen, ohne auf reichlich Fanservice zu verzichten.
Letzterer ist nämlich reichlich vorhanden und integriert bekannte Elemente organisch in die Handlung. Für langjährige Fans gibt es unzählige Momente, die ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubern. Zum Beispiel das erste Auftauchen der Flagge der New California Republic, begleitet von vertrauten musikalischen Motiven – da läuft Veteranen ein wohliger Schauer über den Rücken.
Besonders erfreulich ist dabei, dass die Serie nicht einfach Fallout 3, New Vegas oder Fallout 4 nacherzählt. Stattdessen erzählt sie ihre eigene Geschichte innerhalb des etablierten Universums. (Videospiel)serienkenner werden ständig auf bekannte Fraktionen, Technologien, Schauplätze und historische Ereignisse stoßen. Gleichzeitig funktioniert die Handlung aber auch für Zuschauer, die noch nie einen Fuß in einen Vault gesetzt haben.
Dass die Serie so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt an ihrer Produktion. Die Kostüme treffen den unverwechselbaren Fallout-Look perfekt – von den ikonischen Vault-Anzügen über die Powerrüstungen bis hin zu den Bewohnern des Ödlands. Gleiches gilt für die Kulissen, die den charakteristischen Retro-Futurismus der Reihe eindrucksvoll zum Leben erwecken. Man spürt in nahezu jeder Szene, dass hier echte Fans gemeinsam mit erfahrenen Filmschaffenden gearbeitet haben. Fallout sieht nicht nur wie Fallout aus – es fühlt sich auch wie Fallout an.
Technik
Beide Staffeln erscheinen auf DVD, Blu-ray und 4K UHD. Die UHD-Variante stellt dabei die attraktivste Edition dar: Neben der deutlich besseren Bildqualität liegt der Veröffentlichung auch die komplette Staffel nochmals auf herkömmlichen Blu-rays bei. Zudem ist die 4K-Version exklusiv als Steelbook erhältlich. Bildtechnisch gibt es wenig Anlass zur Kritik. Die native 4K-Präsentation überzeugt mit hervorragender Schärfe, starker Detailzeichnung und einem gelungenen HDR-Einsatz. Gerade die Kontraste zwischen den sauberen Vault-Anlagen und den verwüsteten Landschaften des Ödlands profitieren sichtbar von der hohen Auflösung. Auch die aufwendigen Kostüme und Kulissen kommen hier hervorragend zur Geltung.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings beim Ton. Während das englische Original in Dolby Atmos vorliegt und die aufwendige Klangkulisse entsprechend räumlich und dynamisch präsentiert, müssen sich deutschsprachige Zuschauer mit „nur“ Dolby Digital 5.1 begnügen. Der Mix ist zwar sauber, verständlich und durchaus druckvoll, wirkt im direkten Vergleich aber deutlich weniger spektakulär. Für eine Premium-Veröffentlichung dieser Preisklasse hätte man sich zumindest eine verlustfreie deutsche Tonspur gewünscht.
FAZIT
Mit Fallout ist eine der besten Videospielverfilmungen der vergangenen Jahre gelungen. Die Serie schafft den schwierigen Spagat zwischen Zugänglichkeit für Neueinsteiger und liebevoller Werktreue für langjährige Fans. Die Geschichte überzeugt durch ihre unterschiedlichen Hauptfiguren, die Produktion glänzt mit herausragenden Kulissen und Kostümen, und die zahlreichen Anspielungen auf die Spiele sorgen immer wieder für echte Gänsehautmomente.
Die deutschen 4K-UHD-Veröffentlichungen liefern dazu eine exzellente Bildqualität und umfangreiche Ausstattung. Schade lediglich, dass die deutsche Tonspur technisch nicht mit dem englischen Original mithalten kann. An der Qualität der Serie selbst ändert das jedoch nichts: Wer Fallout auch nur ansatzweise etwas abgewinnen kann, kommt an dieser Veröffentlichung kaum vorbei.

