Ahoi ihr Landratten! Es ist an der Zeit, wieder die Karibik unsicher zu machen! Ubisoft hat dem wohl besten Piratenspiel aller Zeiten einen ordentlichen Neuanstrich verpasst, damit ihr ein paar spanische Galleonen plündern, verborgene Piratenschätze ausgraben und Forts überfallen könnt, ohne dabei auf modernste Grafik verzichten zu müssen! Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist für PC und moderne Konsolen erschienen.
Ubisoft hat einige große Marken unter seinem Dach – beispielsweise Anno, Far Cry, Prince of Persia, Die Siedler, Splinter Cell, Rainbow Six oder Rayman – aber von keiner Reihe kamen in den beiden letzten Jahrzehnten mehr Ableger heraus als von Assassin’s Creed. Es ist schon ein paar Jahre her, seit der erste Teil 2007 die Spielwelt begeistert hat, und seit dem gab es viele weitere Folgen (und unzählige DLCs). Teil II, Brotherhood, Revelations, Teil III, Black Flag, Rogue, Unity, Syndicate, Origins, Odyssey, Valhalla, Mirage, Shadows, dazu die drei 2D-Chroniken Spiele. Alle habe in einer anderen Kultur und zu einer anderen Zeit gespielt, von der griechischen Antike im Jahr 400 vor Christi bis hin zum russischen Bürgerkrieg (1917). Und als bestes dieser Spiele gilt unter den meisten Fans bis heute Black Flag. Das deckt sich auch mit meiner Meinung, nachdem ich (zumindest die Hauptquest) aller Teile durchgespielt habe. Vermutlich war das einer der wesentlichen Gründe, warum Ubisoft sich entschieden hat, das 2013 erschienene Assassin’s Creed IV: Black Flag nun zu modernisieren und neu herauszubringen.
Zu Beginn wählen wir zwischen drei Schwierigkeitsgraden – jeweils für den Nahkampf, den Seekampf, das Schleichen und die sonstigen Aktivitäten.

Edward’s Story
Die Assassin’s Creed Reihe spielt mit der Idee, dass sich die Erinnerungen aus dem Leben unserer Vorfahren in unsere DNA gebrannt haben, und mit einem High-Tech Gerät (dem Animus) wieder abgerufen werden können. Bei den älteren Assassin’s Creed Spielen war das Gameplay daher zweigeteilt – ein Teil spielt in der Vergangenheit, ein Teil spielt in der Gegenwart. Der bei den Spielern beliebtere Teil war im Regelfall die Vergangenheit, die Sequenzen in der Gegenwart haben einen immer völlig aus der Story herausgerissen (und eine eigene Story erzählt). Für viele Spieler war das aber ein ordentlicher Immersionskiller, und so hat Ubisoft sie nun auf dem neuen Assassin’s Creed entfernt – ihr könnt also die Piratenstory ohne lästige Unterbrechungen spielen. Den Animus gibt es schon noch, aber in einer neuen Form und nicht mehr während der Hauptstory.
Die Story beginnt 1715 und erzählt die Geschichte von Edward Kenway, einem (nicht ganz so) jungen Mann, der seinen ärmlichen Verhältnissen in England entflieht, um auf einem Freibeuter in der Karibik anzuheuern um reich zu werden. Edward ist eigentlich ein ziemlich unguter Typ – er säuft wie ein Loch, stiehlt, lügt und betrügt, und er tötet nur des Geldes wegen. Seine Freundin hat er in England zurück gelassen, zumindest die betrügt er nicht. Außerdem tötet er nicht wahllos Unbeteiligte, sondern nur Gegner die ihn angreifen – oder die er ausrauben will und die mit dem Zaster nicht freiwillig rüber rücken. Ein typischer Pirat eben, auch wenn wir da im Laufe der Story noch ärgere Monster kennenlernen. Unsere Gegner – meist Spanier oder Engländer – sind auch nicht wirklich zimperlich – gefangene Piraten werden aufgeknüpft.
Nach einiger Zeit in der Karibik wird unser Piratenschiff versenkt, wir können uns auf eine Insel retten. Dort treffen wir auf einen Assassinen, den wir töten und seine Identität annehmen. Er wollte sich mit dem Gouverneur von Havanna treffen, was wir nun an seiner Stelle tun. Der Gouverneur ist ein Templer, der uns vom Observatorium erzählt – einem mächtigen Artefakt, dass den Aufenthaltsort jedes Menschen anzeigen kann. Bei den Templern fliegen wir bald auf und müssen aus Havanna fliehen, dazu befreien wir ein paar gefangene Piraten und stehlen gleich ein Piratenschiff. UNSER zukünftiges Schiff! Und so beginnt die Story – Wir werden Kapitän unseres Schiffes und durchkreuzen die Karibik auf der Suche nach Reichtum und dem Observatorium. Natürlich werden wir auch rasch tief in die politischen Ereignisse der Karibik gezogen. Die Piraten wollen einen eigenen Staat haben, in dem die alten Königreiche keine Macht haben – und sich die Bewohner in Ruhe zu Tode saufen können, wenn sie nicht gerade unschuldige Händler ausrauben.

Nahkampf, Parkour und Stealth
Wir steuern Edward Kenway. So wie in den Assassin’s Creed Teilen zuvor ist Edward ein begabter Parkour-Läufer. Er springt geschickt von Hindernis zu Hindernis, er klettert auf jedes Haus, und vor allem auf jeden Turm. Das ist auch notwendig, denn auf den Turmspitzen wird der dort sitzende Raubvogel vertrieben und Edward schaut sich in Ruhe die Umgebung an – sie wird synchronisiert (und damit die Karte aufgedeckt). Im Nahkampf töten wir Feinde – entweder von hinten (oder oben, oder im vollen Lauf, oder aus einer Häuserecke), im Regelfall aber im Schwertkampf oder zumindest mit einer Pistole. Die Schwertkämpfe laufen vergleichsweise simpel ab – Gegner fixieren, leichter oder schwerer Angriff, ausweichen oder blocken und kontern, Gegner treten. Soulslike-Niveau wird was die Komplexität angeht hier nicht erreicht, wirklich anspruchsvoll sind die vielen Kämpfe auch nicht. Sterben könnt ihr fast nur im Kampf gegen mehrere Gegner. Dann macht es schon mal Sinn, weg zu sprinten und sich an diversen Orten zu verstecken, bis eure Gegner die Suche aufgeben. Ihr könnt auch schleichen, im hohen Gras seid ihr dabei unsichtbar (und könnt Gegner gefahrlos eliminieren). Neben der Pistole nutzt Edward auch Rauchgranaten, um sich aus brenzligen Situationen zu befreien. Edwards Gesundheit kann mit einem Heiltrank wiederhergestellt werden, oder ihr findet Nahrung/Rum, die in den Städten überall herumstehen. Dort liegt auch das Geld quasi auf der Straße, ihr könnt alles plündern ohne dabei erwischt zu werden. Gerade beim Taschendiebstahl solltet ihr ein wenig aufpassen. Und manche der Kisten mit ein wenig wertvollerem Inhalt werden bewacht. Grundsätzlich könnt ihr euch in den meisten Umgebungen frei bewegen, aber bestimmte Orte sind tabu und führen zu Konfrontationen mit dem Wachpersonal.

Die Jackdaw
Jackdaw (Dohle) ist der Name unseres Schiffes, das anfangs ein wenig heruntergekommen ist. Das ändert sich aber natürlich im Laufe des Spiels, wenn ihr Upgrade um Upgrade kauft und die Jackdaw immer weiter verbessert. Hübschere Segel, einen stabileren Rumpf, zusätzliche Kanonen und Harpunen, eine neue Gallionsfigur… ihr braucht nur genug Geld und Ressourcen, um die Verbesserungen in Auftrag zu geben.
Ein großes, leeres Meer werdet ihr quasi nie vor euch haben. Wie am Land ist immer was zu tun. Manchmal fahren mehr Schiffe in der Gegend herum als Autos zur Stoßzeit auf der Tangente, überall ist Treibgut oder Schiffbrüchige im Wasser (alles einsacken!), von einer Insel zur nächsten ist es auch ohne der Benutzung der Schnellreisefunktion meist nur ein Katzensprung. Weicht Blitzeinschlägen (die sich netterweise vorher ankündigen) aus, macht einen großen Bogen um Windrosen, stellt euer Schiff in einen 90 Grad Winkel um Mosterwellen zu überstehen, achtet auf starke Windböen, knallt nicht gegen eine Insel oder gegen ein anderes Schiff – sonst kommt es zum Kampf, in dem ihr Breitseiten abfeuern könnt, Minen nach hinten werft oder mit kleineren Kanonen nach vorne schießt. Mit spezieller Munition richtet ihr mehr Schaden an, mit schweren Mörsern zerstört ihr auch große Gegner. Kämpft gegen andere Schiffe, jagt Haie, taucht an jeder beliebigen Stelle nach Schätzen unter Wasser – bald auch mit Tauchglocke. Andere Schiffe können geentert werden, Inseln können besucht werden. Sorgt dafür, dass euer Schiff immer repariert wird, genug Munition und ausreichend Seeleute an Bord hat.

Es gibt immer was zu tun
Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist ein Open-World Abenteuer. Ihr könnt der Hauptstory folgen, oder ihr könnt euch in Ruhe die Umgebung ansehen und unzählige Nebenaktivitäten ausführen. In der Kneipe findet ihr Spielpartner für Mühle und andere Brettspiele, Leichname/Skelette haben oft Schatzkarten bei sich (viel Spaß bei der Schatzsuche!), auf den Dächern finden sich oft Notenblätter für neue Seemannslieder, die ihr aber erst nach einem kleinen Parkourlauf einfangen müsst. Kisten können geplündert werden, Leute, die von ihrem Reichtum prahlen können bestohlen werden. Plündert Handelsschiffe am Meer, bestecht Beamte um euer Kopfgeld zu reduzieren (sonst jagen euch schwerbewaffnete Piratenjäger), jagt Tiere um sich mit ihren Teilen eine bessere Ausrüstung herzustellen. Nehmt Aufträge an, um bestimmte Leute zu ermorden. Nebenstories tun sich auf, die zu diversen Ressourcen, Ziergegenständen oder auch zu neuen Offizieren für euer Schiff führen. Ihr habt bald eine kleine Basis auf einer eigenen Insel, wo ihr euer Haus verschönern und die Gebäude im Dorf verbessern könnt, um euch euer eigenes Reich einzurichten. Ihr könnt Schiffe auf Missionen schicken und damit Geld verdienen… oder versenken. Da will man ja gar nicht mit der Hauptstory weiterspielen. Ein zwielichtiger Kaufmann taucht auf euer Insel auf und gibt euch einen ersten Auftrag, die erste Maya-Ruine wird entdeckt, und die Orte von vier Assassinen werden auf der Karte markiert. Zu diesem Zeitpunkt ist dann die Karte der Karibik ziemlich voll mit möglichen Quests… Beschäftigung für viele Stunden!

Verbesserungen zum Original?
Was ist nun der Unterschied zwischen dem originalen Black Flag und dem neuen Assassin’s Creed Black Flag Resynced? Nunja, vor allem die Grafik. Wenn ihr das Spiel heute spielt, wird es so sein wie ihr es in Erinnerung habt – grafisch beeindruckend. Spielt ihr hingegen das Original, so werdet ihr sehr schnell erkennen, wie sich die Grafikqualität in AAA-Spielen in den letzten 10 Jahren verbessert hat. Neben der Grafik sind allerdings auch noch weitere unzählige kleine Details verbessert worden – die aber nicht so schnell auffallen. Intelligentere Gegner bei den Nahkämpfen? Mehr Optionen bei der Bewaffnung der Jackdaw? Neue Seemannslieder? Haustiere für das Schiff? Kleinigkeiten. Der Wegfall der Gegenwartsstory? Gut so. Stattdessen sind ein paar Stunden an neuen Inhalten dazu gekommen. Findet in neuen Missionen drei neue Offiziere für euer Schiff, entdeckt neue Hintergrundgeschichten bei den bekannten Charakteren, erkundet kleinere neue Umgebungen. Der Schwierigkeitsgrad der gescripteten Missionen ist reduziert – wenn ihr nun beispielsweise einer Zielperson folgen müsst und sie aus den Augen verliert, ist das nicht das Missionsende… das reduziert Frust, aber solche Anpassungen nehmen auch ein wenig die Spannung.
Technik
Die Steuerung mit dem Gamepad funktioniert hervorragend, die Anforderungen an eure Hardware sind überschaubar. 16 GB RAM und eine Nvidia GTX 1660 (Radeon RX5500XT) sind jetzt nicht die Welt. Auf neueren Grafikkarten gibt es auch Raytracing. Eine SSD mit 65 GB freiem Platz wird ebenfalls benötigt. Cloud-Speicherstände werden unterstützt, und neben dem automatischem Speichern können auch manuelle Speicherstände angelegt werden. Wenn ihr euer Leben verliert, startet ihr – meist zu Beginn des letzten Kampfes – einfach neu.
Assassin’s Creed Black Flag Resynced benötigt Ubisoft Connect, den hauseigenen Launcher von Ubisoft. Auch wenn ihr das Spiel über Epic oder Steam kauft, muss Ubisoft Connect im Hintergrund laufen. Leider ist der Launcher meilenweit von der Benutzerfreundlichkeit von Steam entfernt. Wenn ich Ubisoft Connect auf meinem Testrechner starte und danach auf einem anderen Rechner, werde ich sofort ausgeloggt und meine Anmeldedaten entfernt (auch wenn ich gar kein Spiel starte). Ganz toll. Demensprechend gibt es auch im pfeilschnellen 100 Gbit/s Firmennetzwerk keine Möglichkeit, die bestehende Installation schnell auf andere Testgeräte zu transferieren, sondern ich muss das ganze Spiel wieder über das Internet herunterladen. Yea.
Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist verfügbar für den PC, auf der PlayStation5 und der Xbox Series X|S. Auf PC ist es über den Ubisoft Store, Steam und den Epic Games Store erhältlich.
Zusammenfassung
FAZIT
Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist das ultimative Piratenabenteuer. Absolut empfehlenswert, wenn ihr ein gutes Action-Adventure mit spannender Story und einer Open-World Umgebung sucht. Obwohl die einzelnen Spielmechaniken eigentlich nicht hochkomplex sind, dauert es trotzdem ein paar Stunden, bis ihr sie alle erstmals kurz gesehen habt. Es gibt einfach extrem viel zu tun, weit mehr als nur stupides Ressourcen suchen und Gegenstände herstellen. Verbessert die Ausrüstung von Edward, verbessert euer Piratenschiff, erkundet die Umgebung von Kuba und Jamaica zu Lande und zur See und folgt der spannenden Story um das Observatorium und den Traum einer eigenen Piratenrepublik. Einzig wenn ihr das Original bereits gespielt habt, müsst ihr euch überlegen, ob ihr die selbe Story (mit en paar Ergänzungen) wirklich noch einmal durchspielen wollt. Alle anderen – überzeugt euch selbst davon, warum das liebevoll verbesserte Assassin’s Creed Black Flag Resynced das beste aller Assassin’s Creed Spiele ist!
