Nach 25 Jahren ist nun eine modernisierte Fassung des allerersten Halo erschienen. Schlüpft in die (riesigen) Schuhe des Master Chiefs und ballert euch durch Horden von Allianz-Kriegern, während ihr auf eurem PC oder eurer Konsole das Geheimnis des Ringplaneten Halo aufdeckt.
HALO war im Jahr 2001 einer der Launch-Titel der Xbox. Wir reden von der ersten Generation der Xbox, als Microsoft mit einem Investment von vielen Milliarden versucht hat, den Fuß in den heißumkämpften Markt der Spielekonsolen hineinzubekommen und einen Teil des Kuchens von Sony (PlayStation) und Nintendo wegzuschnappen (nachdem SEGA gerade aus dem Markt ausgeschieden war). Das bei Erscheinen Xbox-exklusive Halo: Combat Evolved war ein durchschlagender Erfolg und hat der Xbox geholfen, sich am Markt zu etablieren. Es war auch der Beginn einer langlaufenden Serie, die neben direkten Fortsetzungen noch mehrere Spin-Off Titel und Adaptionen für andere Medien beinhaltet. Halo gehört zu den umsatzstärksten Medienfranchises aller Zeiten und umfasst Romane, Comics, Kurzfilme, Animationsfilme, Spielfilme und weitere lizenzierte Produkte. In meinem Wohnzimmer steht beispielsweise eine 25 cm große Figur des Master Chiefs, der meinen Xbox Controller hält.
Die PC Adaptierung von Halo: Combat Evolved (Halo: Kampf um die Zukunft) ist 2003 erschienen, danach kam 2004 Halo 2 (das am PC Jahre später Vista-exklusiv veröffentlicht wurde, danke Microsoft), 2007 dann Halo 3. Mit Halo Wars (2009) wurde ein Echtzeitstrategiespiel veröffentlicht, 2010 erschien Halo Reach, 2012 Halo 4 und 2015 Halo 5: Guardians. Mit Halo: Spartan Assault (2013) und Halo: Spartan Strike (2015) gab es auch zwei Top-Down Shooter. Halo Wars 2 kam 2017, und 2021 erschien dann das coole Halo Infinite. Auf Steam könnt ihr die älteren Shooter (in einer leicht verbesserten Version) in der Halo: The Master Chief Collection spielen. Das nun erschienene Halo: Campaign Evolved ist ein tiefergehendes Remaster des ersten Teiles Halo: Combat Evolved. Wir begeben uns also ganz an den Anfang der Serie vor rund 25 Jahren zurück – nur in neuer Unreal Engine 5 Grafik. Alle Levelumgebungen, Charaktere, Fahrzeuge und Waffen wurden neu modelliert, dazu kommen neue Animationen, Motion Capturing, eine überarbeitete Steuerung, eine neu aufgenommene Sprachausgabe und ein neu abgemischter Soundtrack – selbst wenn Martin O’Donnells legendärer Soundtrack für mich (und meine Schweinsohren) genau wie damals klingt und gleich zu Beginn für wohlige Gänsehaut sorgt.

Das Jahr 2552
Die Zukunft im Jahr 2552 schaut nicht sehr rosig aus. Die Menschheit befindet sich in einem Kampf mit der Allianz (dem Covenant-Imperium) – einer Gruppe von Außerirdischen, die mit religiösem Eifer die Ausrottung der Menschheit vorantreiben. Noch hat die Allianz die Erde nicht gefunden, viele Kolonien der Menscheit sind aber bereits vernichtet. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Allianz auch die Erde entdeckt und zerstört. Eine der letzen Hoffnungen der Menschheit ist das Spartan II – Projekt – die Entwicklung einer Armee von Cyborg-Supersoldaten. Doch auch das läuft nicht so ganz nach Plan. Die paar vorhandenen Cyborgs werden zum Planeten Reach entsandt – und dort von der Allianz vernichtet. Nur einer kann gerettet werden – der Master Chief, der, eingefroren auf dem UNSC (United Nations Space Command) Raumschiff Pillar of Autumn, vor der Allianz entkommen kann. Die Pillar of Autumn flieht in die Tiefen des Weltalls, weg von der Erde – und befindet sich plötzlich in der Umlaufbahn des Ringplaneten Halo. Leider ist auch die ganze Flotte der Allianz bereits dort, um die Pillar in Weltraum-Schrott zu verwandeln. Der Master Chief wird aufgetaut, der Captain der Pillar of Autum lädt die künstliche Intelligenz des Schiffes – Cortana – in den Kopf des Master Chiefs hoch und versucht eine Crashlandung auf Halo. Wir, der Master Chief, landen mit unserer Rettungskapsel ebenfalls auf Halo – das ist definitv kein gewöhnlicher Planet. Was es mit Halo so auf sich hat, wird dann im Laufe der Story enthüllt…

Gameplay
Wir spielen also einen hochentwickelten Cyborg-Supersoldaten, den Master Chief. In unserem Kopf haust auch noch eine sexy künstliche Intelligenz – Cortana. Zusammen mit anderen Überlebenden der Pillar of Autumn erforschen wir nun den Planeten Halo. Schießen, laufen, zuschlagen, springen, kriechen, nachladen, Granate werfen oder die Taschenlampe verwenden – unser Repertoire ist überschaubar, aber ausreichend für abwechslungsreiches Gameplay. Manchmal könnt ihr an Hotspots interagieren und beispielsweise Türen öffnen. Abwechslungsreich ist vor allem auch die Story – wir befreien Truppen von UNSC Marines, die von der Allianz gejagt werden, wir erkunden gigantische unterirdische Bauwerke, wir benutzen einen Planeten-Lift um ein Raumschiff der Allianz zu entern. Schon bald stellt sich heraus, dass nicht nur viele Soldaten der Pillar of Autum auf Halo landen konnten und noch am Leben sind, sondern auch die Pillar selbst nicht so vollkommen zerstört wurde, sondern nur schwer beschädigt.
Halo ist berühmt für seine Warthogs. Diese kleinen UNSC Jeeps haben hinten ein überaus schlagkräftiges Geschütz montiert. Eigentlich sind die Warthogs Aufklärungsfahrzeuge, aber im Spiel sind sie völlig overpowered. Ihr steuert den Jeep, das Geschütz wird von einem Marine (oder einem Freund im Online-Modus) bedient, der selbst aus voller Fahrt gepanzerte Gegner zu Brei verarbeitet. Wenn genug Marines in der Nähe sind, bekommt ihr auch noch einen Beifahrer, der mit seiner Handfeuerwaffe aus dem Jeep ballert. Sind keine Marines in der Nähe, könnt ihr auch selber schießen – aber dann steht der Warthog natürlich. Im Laufe des Spieles kommt auch noch ein Panzer bzw. Fahrzeuge der Allianz hinzu, die ihr benutzen könnt. Der Scorpion-Panzer ist ein richtiges Monster – neben euch fahren noch bis zu 5 Marines mit. Ihr steuert den Panzer und seine mächtige Kanone, ein Marine bedient den Turm mit einer Maschinenkanone (den könnt ihr auch übernehmen, aber dann fährt der Panzer natürlich nicht) während die anderen Marines mit ihren Handfeuerwaffen für die Nahverteidigung sorgen. Auch fix am Boden stehende Geschütze können übernommen werden. Aber für mich sind die Warthogs schon immer das Highlight von Halo gewesen – ich habe sie vor 20 Jahren geliebt, ich habe sie im (relativ) neuen Halo Infinite geliebt. Besonders witzig finde ich es, mit Warthogs (oder anderen Fahrzeugen) auch in Gebäuden herumzufahren und durch enge Gänge zu rasen, die eigentlich nicht für den Verkehr zugelassen sind.
Das Gameplay ist relativ geradlinig. Gegner töten, zum nächsten Wegpunkt vorrücken. Waffen werden verwendet, bis die Munition leer ist, neue Waffen können von getöteten Feinden (oder Marines) aufgesammelt werden, oder ihr nehmt sie einem (noch lebenden) Marine einfach weg. Die Vielfalt an Gegnern ist überschaubar, aber die vor Panik weglaufenden Grunts, oder die sich hinter ihrem Energieschild versteckenden Schakale sind einfach legendär – die muss man einfach kennen. Die Elitekrieger der Allianz sind dann auch durchaus ernstzunehmende Gegner, vor allem wenn sie von einer Abteilung niedrigerer Allianzsoldaten begleitet werden und ihr nicht gerade am niedrigsten der vier Schwierigkeitsgrade spielt. Gegner gibt es jedenfalls in ausreichender Zahl – und die immer im Doppelpack auftretenden Hunter sind ziemlich harte Minibosse, die Fahrzeuge der Allianz teilen auch ordentlich aus. Ihr werdet oft von Marines begleitet, die durchaus brauchbare Kollegen sind, zumindest bis sie ins Gras beißen.
Online könnt ihr kooperativ mit bis zu vier Spielern zocken – PvP gibt es jedoch nicht, dafür einen Split-Screen Modus auf Konsolen. Beim Online-Modus ist Cross-Play möglich – es ist also egal, auf welchem System (PC oder Konsole) ihr und eure Teamkollegen spielen. Außerdem wird der Spielfortschritt nicht nur beim Host gespeichert, sondern bei allen Mitspielern.

Darf’s ein bisserl mehr sein?
Bekommen Käufer von Halo: Campaign Evolved verglichen mit dem Original aus dem Jahr 2001 auch ein paar neue Inhalte? Ja, schon. Da wäre vor allem die Mini-Kampagne Operation: METEORITE. Sie spielt ein Jahr vor den Ereignissen von Halo: Combat Evolved und erzählt ein wenig mehr von der Hintergrundgeschichte des legendären Master Chiefs. Ihr spielt den Master Chief, begleitet von Sergeant Avery Johnson bei ihrer Infiltration eines landwirtschaftlichen Schiffes der Allianz, das in der Umlaufbahn über der verglasten menschlichen Kolonie Promise kreist. Auf der Suche nach Daten, die zum legendären Heimatplaneten der Allianz, High Charity, führen könnten, müssen die beiden im Laufe von drei Missionen gegen Sacristan-Krieger kämpfen, UNSC-Marines befreien und eine Reihe bizarrer Experimente durchstehen, die unter dem wachsamen Blick des mysteriösen San’Shyuum-Ministers für Harmonie durchgeführt werden.
DRM – always online
Gamepads werden unterstützt und das Game spielt sich auch hervorragend damit. Das Internet wird ebenfalls unterstützt – ihr braucht es für den Mehrspielermodus… aber leider auch, um alleine zu spielen. Wenn es euch so geht wie eben mir – ein Blitz hat mein Modem zerstört – dann könnt ihr Halo: Campaign Evolved nicht spielen und müsst auf ein neues Modem warten. Yea. Die sonstigen Hardware-Anforderungen am PC sind aber überschaubar – eine halbwegs leistungsfähige Grafikkarte muss es aber trotzdem sein. Es läuft ohne Probleme ab einer Nvidia RTX 2060 Super oder Radeon RX 6600, der Hauptspeicher eures Rechners muss über mindestens 16 GB RAM verfügen.
Ich habe mir das Spiel auch auf meinem Lenovo Legion Go S angeschaut – es läuft, rein technisch gesehen. Die Einrichtung der Shader hat rund 30 Minuten gedauert, aber danach konnte ich loslegen. Trotz niedrigster Grafik-Einstellungen hat es aber keinen wirklichen Spaß gemacht – einfach viel zu ruckelig. Ebenso wie beim kürzlich getesteten Assassin’s Creed Black Flag Resynced habe ich meinen Test mit dem Handheld nach einem durchgespielten Abschnitt wieder beendet – und am Desktop-PC weiter gespielt.
Das Spiel ist auf Xbox, Steam und PlayStation erhältlich und steht auch im Xbox Game Pass Ultimate und im PC Game Pass zur Verfügung.
Zusammenfassung
FAZIT
Wer das originale Halo noch nicht kennt, hat jetzt die Möglichkeit, die epische Story von Anfang an zu erleben. Halo Campaign Evolved modernisiert den alten Klassiker mit zeitgemäßer Technik und stark aufgehübschter Grafik, wirft eine Menge an kleinen Verbesserungen und auch inhaltlichen Erweiterungen (mehr Waffen, verbessertes Leveldesign, versteckte Totenköpfe) in den Mix, und spendiert euch drei zusätzliche völlig neue Missionen. Das Spiel macht Spaß – ganz wie vor 25 Jahren. Meine Empfehlung ist ähnlich wie bei Assassin’s Creed Black Flag Resynced – für Neueinsteiger ist das der perfekte Einstieg ins Halo Universum. Fast schon ein Pflichtspiel, wenn ihr Sci-Fi Shooter mögt. Habt ihr das Original jedoch bereits gespielt, müsst ihr selbst entscheiden, ob ihr die idente (Haupt-)story mit neuer Grafik noch einmal durchspielen wollt. Ich habe jedenfalls meinen Spaß damit!
