Als das Survival-Action-RPG Enshrouded im Jänner 2024 von den deutschen Entwicklern Keen Games in den Early Access startete, entpuppte es sich schnell als einer der interessantesten Titel des Jahres. Eine weitläufige, offene Spielwelt, ein großartiges Bausystem und zahlreiche Möglichkeiten zur freien Charakterentwicklung: All diese Aspekte haben wir bereits in unserem damaligen Early-Access-Test ausführlich besprochen und gelobt. Nun, fast drei Jahre später, verlässt Enshrouded am 15. Oktober 2026 endlich den Early Access. Mit dem großen Update auf Version 1.0 halten außerdem zahlreiche neue Inhalte und Features Einzug ins Spiel.
Grundsätzlich fand ich Enshrouded schon immer interessant. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mit dem Survival-Genre so meine Schwierigkeiten habe. Irgendwie war es einfach nie so richtig mein Genre. Trotzdem wollte ich dem Spiel mit der Veröffentlichung von Version 1.0 unbedingt noch einmal eine Chance geben. Und tatsächlich hatte ich überraschend viel Spaß in Embervale. Besonders die Möglichkeit, seinen eigenen Charakter in völlig unterschiedliche Richtungen zu entwickeln, hat es mir angetan. Da aber auch das Grundgerüst von Enshrouded bereits zum Early-Access-Start (unser Testbericht dazu) hervorragend funktioniert hat und bis heute überzeugen kann, möchte ich mich in diesem Test vor allem auf die neuen Inhalte und Features konzentrieren. Denn gerade diese bringen noch einmal ordentlich frischen Wind ins Spiel und machen richtig Laune.

Sparkwork, ein neues Gebiet und vieles mehr
Die wohl größte Neuerung, auf die sich Spieler von Enshrouded freuen dürfen, ist das sogenannte Sparkwork-System. Dieses soll uns noch deutlich mehr kreative Freiheiten bieten und wird von den Entwicklern sogar als die größte Neuerung seit der Einführung des Voxel-Bausystems bezeichnet. Und tatsächlich erweitert Sparkwork die eigenen Möglichkeiten enorm. Im Grunde sind unserer Kreativität dabei kaum Grenzen gesetzt. Aber was genau steckt eigentlich dahinter? Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Reihe neuer Werkzeuge, mit denen wir eigene Verliese, Herausforderungen und sogar Rätsel erschaffen können. So lassen sich in unseren Bauwerken beispielsweise versteckte Türen, gefährliche Fallen, knifflige Parkours und vieles mehr einbauen.
Das klingt zunächst einmal ziemlich cool, und das ist es auch. Doch was bringt mir das Ganze, wenn ich Enshrouded hauptsächlich alleine spiele, abseits der nützlichen Werkzeuge für meine Basen und Welt? Genau hier kommt eine weitere spannende Neuerung ins Spiel: die Möglichkeit, seine selbst erschaffenen Welten mit anderen Spielern zu teilen. Dadurch können wir nicht nur unsere eigenen Kreationen präsentieren, sondern auch die Werke unzähliger anderer Flameborns aus aller Welt erkunden. Das eröffnet natürlich völlig neue Möglichkeiten und sorgt im besten Fall dafür, dass uns selbst nach dem Abschluss des eigentlichen Spiels noch lange nicht die Beschäftigung ausgeht. Moment mal, habe ich gerade vom Durchspielen gesprochen?
Ganz genau, denn mit Version 1.0 findet auch die Hauptgeschichte rund um das Reich Embervale endlich ihren Abschluss. Das bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, dass die Geschichte in Zukunft nicht doch noch weitererzählt werden könnte. Passend zum großen Finale wird die Spielwelt außerdem um ein neues, gefährliches Biom namens The Cinders Cradle erweitert, das sich bis hoch in den Himmel erstreckt. Dort treffen wir unter anderem auf eine neue, besonders mächtige Gegnerfraktion, die uns das Leben ordentlich schwer machen kann. Gleichzeitig werden zahlreiche bislang unzugängliche Gebiete vollständig geöffnet, bestehende Verliese überarbeitet und die Karte damit endlich in ihrer Gesamtheit erkundbar.
Schon während der Early-Access-Phase wurde die Welt von Enshrouded regelmäßig um neue Regionen, Geheimnisse und Herausforderungen erweitert. Umso erfreulicher ist es, dass auch das neueste Gebiet mit seiner abwechslungsreichen Gestaltung wieder zum Erkunden einlädt. Vorausgesetzt natürlich, man ist den Gefahren gewachsen, die dort auf einen warten.
Damit wir es auch mit den neuen Herausforderungen aufnehmen können, wird das maximale Charakterlevel auf Stufe 50 angehoben, während Waffen und Ausrüstung nun sogar Level 55 erreichen können. Wir bekommen also noch mehr Möglichkeiten, unseren Charakter zu verstärken, weiterzuentwickeln und an unseren bevorzugten Spielstil anzupassen. Und genau das ist schließlich einer der Aspekte, die mich an Enshrouded schon immer besonders gereizt haben.
Allerdings ist Enshrouded mittlerweile derart umfangreich geworden, dass es kaum möglich ist, innerhalb kürzester Zeit wirklich alles zu erleben. Die Entwickler sprechen inzwischen von rund 250 Stunden Spielzeit, wenn man tatsächlich sämtliche Inhalte abschließen möchte. Entsprechend kann ich zum vollständigen Ausmaß der neuen Features, Gegenstände, Gebiete und Gegner noch gar kein abschließendes Urteil abgeben. Dafür gibt es schlicht zu viel zu entdecken, und längst nicht alles habe ich selbst gesehen, selbst mit zur Verfügung gestellten Speicherständen. Was ich bisher allerdings erkunden, ausprobieren und erleben konnte, hat mir richtig, richtig gut gefallen.
Und was ist sonst anders?
Nun, zunächst einmal bringt das Update auf Version 1.0 unzählige weitere Neuerungen mit sich, die das Spielerlebnis noch einmal deutlich erweitern. So erwarten uns beispielsweise neue Gegnertypen innerhalb der verschiedenen Fraktionen, zusätzliche Fähigkeiten und Erweiterungen des Skilltrees. Dazu kommen gleich neun brandneue Zauber, die vor allem für Magier interessant sein dürften. Überhaupt wurde das gesamte Magiesystem umfassend überarbeitet, wodurch sich die Kämpfe nun deutlich abwechslungsreicher und spannender gestalten. Im weiteren Spielverlauf können wir unsere Zauber außerdem gezielt verbessern und damit noch stärker an unseren bevorzugten Spielstil anpassen. Gerade weil ich selbst am liebsten als Magier unterwegs bin, kommt mir diese Überarbeitung natürlich besonders gelegen. Mit der Nekromantie hält sogar eine völlig neue Art der Magie Einzug ins Spiel, die noch einmal zusätzliche Möglichkeiten eröffnet.
Doch auch abseits der Magie macht das Kampfsystem weiterhin eine richtig gute Figur. Schon während der Early-Access-Phase haben die Entwickler regelmäßig an den verschiedenen Mechaniken geschraubt und das ohnehin spaßige Kampfsystem kontinuierlich verbessert. Animationen, Bewegungsabläufe und zahlreiche weitere Details wurden überarbeitet, während gleichzeitig auch die Performance optimiert wurde. Grafisch konnte Enshrouded ohnehin schon immer überzeugen. Mit Version 1.0 sollen nun vor allem weit entfernte Landschaften und Gebäude von schärferen Texturen und einer höheren Detailtiefe profitieren. Und zumindest nach dem, was ich bisher gesehen habe, scheint das auch tatsächlich der Fall zu sein.
Ganz ohne technische Schwierigkeiten kommt allerdings auch die fertige Version nicht aus. Gelegentlich fallen beispielsweise noch fehlerhafte Gegneranimationen auf, und gerade beim Balancing einiger neuer Zauber dürfte durchaus noch etwas Feinschliff notwendig sein. Insgesamt läuft Enshrouded aber erfreulich rund, vorausgesetzt natürlich, der eigene Rechner erfüllt die entsprechenden Systemanforderungen.
Eine weitere erfreuliche Neuerung betrifft die Vertonung. Mit dem vollständigen Release erhält Enshrouded nämlich endlich eine komplette Sprachausgabe, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch. Das ist vor allem deshalb schön, weil das Spiel im Vergleich zu vielen anderen Vertretern des Survival-Genres ohnehin einen größeren Wert auf seine Geschichte und das Worldbuilding legt. Überall in Embervale finden sich Tagebucheinträge, Hintergrundinformationen und kleinere Geschichten, die zum Lesen und Entdecken einladen und der Welt zusätzliche Tiefe verleihen. Dass uns nun auch ein Erzähler durch das Abenteuer begleitet, der in der deutschen Fassung vom bekannten Synchronsprecher Dietrich Wunder gesprochen wird, rundet das Ganze noch einmal wunderbar ab. Was allerdings etwas schade ist, ist dass sich der Release der Xbox Version noch bis 2027 verzögern wird, während die PlayStation 5 Version schon am 15.10.2026 spielbar sein wird. Auch dass es (noch) kein Crossplay gibt, ist ein wenig ärgerlich. Allerdings sind das Dinge welche abseits des eigentlichen Gameplays stehen, und an denen das Team von Keen Games schon arbeitet.
Alles in allem liefert Enshrouded mit seinem großen 1.0-Update also genau das, was man sich von einem gelungenen Vollrelease erhofft: mehr von dem, was bereits hervorragend funktioniert hat, aber gleichzeitig auch genügend neue Inhalte, Verbesserungen und frische Ideen, um das Spielerlebnis noch einmal spürbar aufzuwerten. Das grundlegende Spielgefühl bleibt dabei erhalten, wirkt an vielen Stellen inzwischen aber deutlich ausgereifter.
Zusammenfassung
FAZIT
Ehrlich gesagt fällt mein Fazit zu Enshrouded ziemlich einfach aus: Das Spiel macht richtig Bock! Und das hätte ich angesichts meiner eher überschaubaren Begeisterung für das Survival-Genre tatsächlich nicht erwartet. Schon von Beginn an lädt die wunderschön gestaltete Spielwelt zum Erkunden ein und erinnert mich stellenweise sogar ein wenig an The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Dazu kommt eine vielseitige Charakterentwicklung, die uns zahlreiche Möglichkeiten bietet, unseren eigenen Spielstil zu finden und gerade im Zusammenspiel mit Freunden unterschiedliche Rollen zu übernehmen. Gleichzeitig dürfen wir unserer Kreativität beim Bauen nahezu freien Lauf lassen und ganze Dörfer, gewaltige Festungen oder sogar eigene Verliese erschaffen. Mit dem großen Update auf Version 1.0 wird all das nur noch einmal auf ein neues Level gehoben.
Überhaupt hat sich Enshrouded während seiner Early-Access-Phase kontinuierlich in die richtige Richtung entwickelt. Die Entwickler haben auf das Feedback ihrer Community gehört, regelmäßig neue Inhalte geliefert und offensichtlich viel Arbeit investiert, um auch zum vollständigen Release ein überzeugendes Gesamtpaket abzuliefern. Und das ist ihnen meiner Meinung nach wirklich gelungen. Tatsächlich könnte Enshrouded sogar zu meinem persönlichen Lieblingsspiel im Survival-Genre werden. Schon zum Start des Early Access war es ein richtig gutes Spiel, doch mittlerweile ist daraus ein noch umfangreicheres, abwechslungsreicheres und ausgereifteres Abenteuer geworden.
Allerdings habe ich selbst noch längst nicht alles gesehen, was Embervale zu bieten hat. Es warten noch zahlreiche Gebiete, Geheimnisse und Herausforderungen darauf, entdeckt zu werden, und vielleicht werde ich mich für den Rest meiner Reise sogar mit ein paar Freunden zusammenschließen. Entsprechend kann sich mein endgültiger Eindruck nach weiteren Spielstunden natürlich noch verändern. Bis dahin bleibt Enshrouded für mich aber eine klare Empfehlung. Wer Survival-Spiele liebt, dürfte hier ohnehin jede Menge Spaß haben. Doch auch Genre-Skeptiker wie ich sollten unbedingt einmal einen Blick riskieren. Vielleicht entdeckt ihr dabei ja ebenfalls ein Spiel, das euch deutlich mehr begeistert, als ihr zunächst erwartet hättet.
