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Fire Emblem: Fortune’s Weave im Test

Mit Fire Emblem: Fortune’s Weave erhält die Switch 2 ihren ersten eigenen Ableger der traditionsreichen Reihe. Seit der Ankündigung vor etwas mehr als einem Jahr war die Vorfreude innerhalb der Fangemeinschaft entsprechend groß. Schließlich erweckte der Titel von Anfang an den Eindruck, die größten Stärken der beiden jüngsten Hauptteile miteinander verbinden zu wollen: den komplexen Weltaufbau und die erzählerischen Qualitäten von Three Houses auf der einen sowie das herausragende Gameplay von Engage auf der anderen Seite. Nun, nach beinahe sechzig Stunden Spielzeit, habe ich dazu vor allem eines zu sagen: Wow.

Gut, Fire Emblem und ich haben mittlerweile eine ziemlich lange gemeinsame Geschichte. Seit Awakening habe ich jeden neuen Teil gespielt und mich zumindest auch durch einige der älteren Ableger geschnuppert. Ich weiß also ziemlich genau, was mich bei Fire Emblem erwartet und was ich an der Reihe besonders schätze. Vor allem Three Houses hat es mir dabei angetan. Umso größer war natürlich meine Vorfreude auf Fortune’s Weave , schließlich spielt der neue Ableger in derselben Welt, und als ich das Spiel schließlich zum Release in den Händen hielt, bestand die darauffolgende Woche im Grunde aus kaum etwas anderem als Fire Emblem .

Und was soll ich sagen? Nintendo und Intelligent Systems haben es tatsächlich geschafft, mir schon jetzt einen heißen Anwärter auf mein Spiel des Jahres auf den Tisch zu legen. Einen Titel, der mich vermutlich nicht nur für den Rest des Jahres, sondern noch weit darüber hinaus beschäftigen wird.

Fire Emblem Fortune's Weave-Gameplay 1

Ein Wunsch als Ziel

Die grundlegende Ausgangslage von Fortune’s Weave wird ziemlich schnell deutlich: Der Kontinent Dagda, auf dem die Handlung spielt, steht kurz vor dem Untergang. Der Dämonenkönig Balor wurde wiedererweckt, Städte fallen und die Menschen haben den Horden aus Untoten und Riesen kaum etwas entgegenzusetzen. Eine der wenigen verbliebenen Hoffnungsträgerinnen ist die Göttin Fortuna. Für sie gibt es nur noch einen Weg, das Blatt zu wenden: Sie lässt einen Körper für unsere selbst erstellte Hauptfigur erschaffen, den sogenannten Herold des fahlen Raben, und schickt uns anschließend los, mächtige Verbündete für den Kampf gegen Balor zu sammeln.

Das wirft allerdings ein ziemlich offensichtliches Problem auf: Wie soll man Verbündete finden, wenn ein Großteil des Kontinents bereits tot ist? Zum Glück wäre Fortuna nicht die Göttin des Schicksals und Glücks, wenn sie darauf keine Antwort hätte. Sie besitzt die Fähigkeit, in die Vergangenheit einzugreifen. Dadurch können wir die Schicksale unserer zukünftigen Gefährten verändern und Ereignisse verhindern, die ursprünglich zu ihrem Tod geführt haben. Für unsere Hauptfigur und die übrigen Charaktere aus dem Prolog heißt es zunächst allerdings: Adieu. Über einen großen Teil der Handlung stehen sie uns nämlich gar nicht zur Verfügung.

Stattdessen erleben wir vier unterschiedliche Handlungsbögen rund um den jungen Cai, Königin Theodora, den Krieger Dietrich und die Bardin Leda. Alle vier besitzen eigene Persönlichkeiten, Fähigkeiten, Ziele und Beweggründe, wodurch sich ihre Geschichten deutlich voneinander unterscheiden. Besonders spannend ist dabei, dass man grundsätzlich alle vier Handlungsstränge innerhalb eines einzigen Spieldurchgangs erleben kann. Man muss es allerdings nicht. Welche Wege man verfolgt und wie intensiv man sich mit ihnen beschäftigt, bleibt dem Spieler überlassen. Wir können im Grunde ständig zwischen den einzelnen Pfaden wechseln, und diese somit auch parallel erleben.

Eine Sache verbindet die vier jedoch: Sie wollen an den Heroenspielen teilnehmen, einer Reihe von Wettkämpfen und Arenakämpfen in Dagsion, der Hauptstadt Dagdas. Dem Gewinner winkt dabei keine gewöhnliche Belohnung, sondern die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches durch die Götter selbst.

Ohne unser Eingreifen enden ihre Geschichten allerdings alles andere als glücklich. Jeder dieser Helden stirbt auf seinem ursprünglichen Weg, und genau diese Ereignisse tragen letztlich dazu bei, Balors Wiedererweckung einzuleiten. Unsere Aufgabe besteht deshalb darin, ihr Schicksal zu verändern und dafür zu sorgen, dass sie am Leben bleiben, damit sie uns später im Kampf gegen Balor unterstützen können.

Die Geschichte gehört für mich dabei klar zu den Highlights von Fortune’s Weave , auch wenn sie meiner Meinung nach nicht ganz an die komplexe und moralisch graue Erzählweise von Three Houses heranreicht. Dafür setzt Fortune’s Weave stärker auf große, epische Momente und einen enorm umfangreichen Cast.

Abseits der eigentlichen Hauptfiguren begegnen uns unzählige Charaktere, mit denen wir sprechen und die wir teilweise sogar rekrutieren können. Diese Masse hat allerdings auch einen Nachteil: Es fällt schwer, zu wirklich allen Figuren eine Beziehung aufzubauen. Manche Charaktere haben schlicht nicht besonders viel zu sagen und wirken eher so, als wären sie vor allem deshalb vorhanden, damit bestimmte Rollen oder Klassen auf jedem der vier Pfade besetzt werden können.

Trotzdem funktioniert die Geschichte erstaunlich gut. Sie bleibt unterhaltsam, spannend und schafft es immer wieder, einen zum Weiterspielen zu motivieren. Dazu kommen einige durchaus gelungene Überraschungen. Und die Figuren, die tatsächlich im Gedächtnis bleiben, sind dafür richtig stark geschrieben. Das gilt ganz besonders für die vier Helden der Heroenspiele. Sie gehören für mich ganz klar zu den stärksten Figuren die ein Fire Emblem jemals hatte.

Abenteuer in Dagda

Auch spielerisch ist Fortune’s Weave so umfangreich wie kaum ein Fire Emblem zuvor. Auf der einen Seite stehen natürlich die klassischen taktischen Kämpfe innerhalb der Kapitel und Missionen. Gemeinsam mit unseren Verbündeten ziehen wir über rasterbasierte Karten, bekämpfen unterschiedliche Gegnertypen und müssen dabei ständig die Stärken und Schwächen unserer Einheiten im Blick behalten.

Bögen sind beispielsweise besonders effektiv gegen fliegende Gegner, während Magie gepanzerten Einheiten schnell gefährlich werden kann. Das sind nur zwei von vielen Wechselwirkungen, die man während eines Kampfes permanent gegeneinander abwägen muss.

Gleichzeitig bietet uns Fortune’s Weave taktisch so viele Möglichkeiten wie kaum ein anderer Teil der Reihe. Neben den klassischen Waffen und Zaubern gibt es wieder Battalions, welche unsere Einheiten zusätzlich verstärken. Einige Charaktere verfügen außerdem über sogenannte Brandtechniken. Cai kann beispielsweise einen gewaltigen Feuerball einsetzen und damit enormen Flächenschaden verursachen. Ganz kostenlos sind solche Fähigkeiten allerdings nicht, denn ihr Einsatz kostet Lebenspunkte.

Im Kern bleibt Fortune’s Weave damit dem bekannten Gameplay der Reihe treu, hebt es qualitativ aber noch einmal auf ein neues Niveau. Die Animationen sehen fantastisch aus, die Karten sind abwechslungsreich gestaltet und die Kämpfe machen schlicht enorm viel Spaß. Und das ist gerade einmal die eine Hälfte des Spiels.

Denn abseits der Schlachten gibt es beinahe erschlagend viel zu tun. Die schiere Menge an Aktivitäten ist so groß, dass ich vermutlich nicht einmal alles aufzählen kann, aber ich versuche es zumindest.

Wir können Beziehungen zwischen unseren Verbündeten aufbauen, indem wir sie gemeinsam essen lassen, mit ihnen ins Theater oder in die Therme gehen, Geschenke verteilen, trainieren oder sie in einem der zahlreichen Tempel aushelfen lassen. Selbst unser eigener Spielcharakter taucht in Vogelform in der Welt auf und kann sich von einzelnen Figuren füttern lassen, wodurch sich ebenfalls die Beziehung zu ihnen verbessert. Auf diesem Weg schalten wir besondere Gespräche zwischen den Charakteren frei, die uns einen tieferen Einblick in ihre Persönlichkeiten und Dynamiken geben.

Ein großer Teil davon spielt sich in Dagsion ab, wo wir im Grunde alles finden, was wir brauchen: Händler, verschiedene Aktivitäten und zahlreiche Nebenaufgaben. Für viele dieser Aufgaben müssen wir allerdings auch die Hauptstadt verlassen und durch ganz Dagda reisen. Damit kommen wir zu einer der größten Neuerungen von Fortune’s Weave : der offenen Weltkarte.

Zwischen den größeren Hauptmissionen erhalten wir meist genügend Freizeit, um den Kontinent zu erkunden, Vorräte zu sammeln, Händler und Dörfer aufzusuchen oder sogar ganze Dungeons zu entdecken. Auch viele Nebenmissionen und optionale Kämpfe finden direkt auf dieser Weltkarte statt.

Innerhalb der Dungeons verändert sich das Spielgefühl noch einmal deutlich. Statt klassischer taktischer Schlachten bewegen wir uns dort mit einer kleinen Gruppe durch die Gebiete, sammeln Beute und treffen auf Gegner, gegen die wir sogenannte Schnellkämpfe austragen. Dabei rückt der taktische Fokus etwas in den Hintergrund und das Ganze erinnert stärker an ein klassisches JRPG wie Final Fantasy . Diese Gefechte dauern meist nicht besonders lange, sorgen aber für angenehme Abwechslung. Und selbst damit ist noch lange nicht Schluss.

Durch Kämpfe leveln wir unsere Einheiten, durch Training verbessern wir einzelne Waffen- und Fähigkeitstypen wie Lanze, Magie oder Reiten. Wir können Segnungen verschiedener Götter erhalten, wenn wir genügend Zeit in ihren Tempeln verbringen, unsere Reputation steigern, um neue Funktionen freizuschalten, und unsere Charaktere selbstverständlich auch in neue Klassen wechseln lassen. Es gibt während der Freizeit wortwörtlich Hunderte Dinge zu tun. Langweilig wird einem hier so schnell jedenfalls nicht.

Diese enorme Größe bringt allerdings auch einen kleinen negativen Faktor mit sich. Viele Aktivitäten beginnen sich irgendwann zu wiederholen, und gerade wenn man regelmäßig nach Dagsion zurückkehrt, um zu trainieren, gemeinsam zu essen oder andere Routineaufgaben zu erledigen, kann das den Spielfluss spürbar ausbremsen. Die Handlung verliert dadurch gelegentlich etwas an Tempo.

Mich persönlich stört das nur bedingt, weil ich solche Systeme grundsätzlich sehr gerne mag. Gleichzeitig kann ich aber vollkommen verstehen, wenn andere Spieler irgendwann das Gefühl bekommen, dass manche dieser Abläufe eher Arbeit als Abenteuer sind. Davon abgesehen ist Fortune’s Weave allerdings bis zum Rand mit Inhalten, Möglichkeiten und neuen Ideen gefüllt. In dieser Hinsicht kann man dem Spiel wirklich kaum etwas vorwerfen.

Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Fortune’s Weave das bislang ambitionierteste Fire Emblem überhaupt ist. Wer wirklich alles sehen und erledigen möchte, dürfte problemlos weit über hundert Stunden in Dagda verbringen.

So kann sich ein Fire Emblem sehen lassen

Auch optisch gehört Fortune’s Weave für mich zu den schönsten Spielen, die man derzeit auf der Switch 2 erleben kann. Besonders auf einem guten Fernseher oder Monitor kommen die Welt von Dagda und die zahlreichen Charaktermodelle hervorragend zur Geltung. Natürlich muss man den gewählten Artstyle mögen, doch gerade Fans der Reihe dürften sich an den Umgebungen, Figuren und Animationen kaum sattsehen können.

Im direkten Vergleich zu Engage ist der grafische Sprung jedenfalls deutlich spürbar. Umso erfreulicher ist es, dass das Spiel trotz seiner aufwendigeren Präsentation technisch ausgesprochen sauber läuft. Während meiner gesamten Spielzeit hatte ich weder mit nennenswerten Bugs noch mit störenden Performance-Einbrüchen zu kämpfen. Auch die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus und unterbrechen den Spielfluss nur selten.

Besonders hervorheben möchte ich die Zwischensequenzen. Diese sind qualitativ hervorragend inszeniert und gehören für mich zu den visuellen Höhepunkten des Spiels. Einige davon haben mir sogar so gut gefallen, dass ich sie mir später noch einmal angesehen habe.

Mein persönliches Highlight ist allerdings der Soundtrack. Gerade als Musiker achte ich gerne etwas genauer darauf, was im Hintergrund passiert, und auch hier liefert Fortune’s Weave richtig ab. Unterschiedliche Leitmotive, abwechslungsreiche Tracks und wuchtige Soundeffekte sorgen dafür, dass sich große Schlachten tatsächlich episch anfühlen und auch ruhigere Momente ihre ganz eigene Atmosphäre entwickeln. Der Soundtrack hat mich sogar so sehr überzeugt, dass ich einige Stücke mittlerweile auch außerhalb des Spiels höre. Von mir gibt es dafür also definitiv einen Daumen nach oben.

Auch bei der Synchronisation gibt sich Fortune’s Weave keine Blöße. Sowohl die englische als auch die japanische Sprachausgabe sind durchgehend hochwertig besetzt, und die Sprecherinnen und Sprecher verleihen den Figuren viel Persönlichkeit. Gerade in den emotionaleren oder dramatischeren Szenen trägt die Vertonung einen großen Teil dazu bei, dass die Charaktere und ihre Geschichten so gut funktionieren.

Zusammenfassung

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