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The Occultist im Test

Das spanische Studio Daloar bringt mit The Occultist seinen Debüt-Titel heraus und sowas macht uns natürlich immer sehr neugierig. Über 28 Nominierungen hat das Game laut eigenen Aussagen bereits seit 2023 erhalten. Was kann das Erstlingswerk und wie viel Horror und Rätsel stecken darin? Wir haben The Occultist ausführlich für euch getestet, also verlieren wir keine Zeit.

Wir übernehmen die Rolle von Alan Rebels, der, wie der Spieletitel schon vermuten lässt, ein Faible für das Okkulte hat. Gleich zu Beginn des Spiels landen wir auf einer Insel und erkunden den Ort Godstone. Wieso? Unser Vater ist verschwunden und aus diversen Gründen ist es für uns wichtig, hier auf Spurensuche zu gehen. So weit, so unspektakulär eigentlich.

Eine Geschichte mit Schattenseiten

Die Prämisse, einen „verlassenen“ Ort zu erkunden und dabei etwas über eine uns nahestehende Person oder unsere Vergangenheit herauszufinden, ist leider nicht besonders neu, doch interessant ist die narrative Entwicklung, die über die Standard-Suche nach dem Vater hinausgeht, dennoch. Das Spiel schafft es im hinteren Drittel überraschend gut, die moralische Grauzone von Alans Handeln zu beleuchten. Die eingangs erwähnte „Unspektakulärität“ der Story weicht einer düsteren Dekonstruktion der Familie Rebels, wobei die verschiedenen Schauplätze, besonders das Waisenhaus und das Krankenhaus, nicht nur Kulisse sind, sondern Alans eigene Vergangenheit widerspiegeln. Wer also die Ausdauer besitzt, sich durch die engen Waldpfade zu kämpfen, wird mit einer Handlung belohnt, die deutlich mehr psychologischen Tiefgang beweist, als das erste Kapitel vermuten lässt.

Walking Simulator à la Card

Das Gameplay besteht grob gesagt aus Erkunden und Hinweise sammeln. Wir bewegen uns in der First-Person-Perspektive durch sehr schlauchartige Areale und ich meine wirklich schlauchartig. Zwischen Bäumen durchgehen? Nope. Durch ein Feld laufen? Eher nicht. Bei all der Macht, die wir als Occultist haben, an solchen Blockaden zu scheitern, knackt schon ordentlich am Ego und lässt das Gefühl der Erkundung etwas verschwimmen.

Die Umgebung unter die Lupe zu nehmen, darf man hier fast wörtlich nehmen, denn was wir mit freiem Auge nicht sehen können, zeigt uns ein Blick durch unser Pendel. So können wir zum Beispiel längst entfernte Blutspuren oder Gegenstände entdecken. Die Rätsel sind dabei nicht zu schwer und fügen sich gut in das Gameplay ein.

Einige Dinge, wie zum Beispiel das Gleichgewicht halten, während wir über einen Baumstamm gehen, hätte ich persönlich nicht gebraucht, da sie das Spielgeschehen kein bisschen bereichern.

Abwechslungsreicher kommt die Auswahl der Areale daher. Verlassene Häuser, ein Zirkus, ein Waisenhaus, ein Krankenhaus und noch mehr gibt es zu erkunden. Zwar dürfen wir nicht frei zwischen diesen Gebieten reisen, aber das war abzusehen.

Kämpfe gibt es nicht wirklich, denn Alan ist nicht unbedingt der Haudrauf-Typ. Eine Gesundheitsanzeige aber schon und diese wurde kreativ in deine Hand integriert. Die Farbe verrät uns nämlich, wie „fit“ wir noch sind. Schützen können wir uns durch Ausweichen, Verstecken oder mit unserem Pendel. Manipulation der Umgebung gehört ebenso zu dessen Fähigkeiten wie das Ablenken von Geistern. Hauptsächlich brauchen wir es aber, um die vielen Rätsel im Spiel zu lösen.

Jenseits des Pendels

Während wir anfangs nur passiv Spuren lesen, fordert das volle Spiel später ein aktiveres Eingreifen in die „Anderswelt“. Alan lernt im Verlauf der Geschichte, die Barriere zwischen den Realitäten gezielter zu manipulieren, um etwa Mechanismen in der Vergangenheit zu beeinflussen, die den Weg in der Gegenwart öffnen. Diese Momente sind spielerisch die Highlights, da sie das ansonsten sehr lineare „Abwandern“ der Pfade kurzzeitig aufbrechen und dem Titel endlich die nötige mechanische Substanz verleihen, die man in den ersten Spielstunden noch vermisst.

High-End-Sound-Erlebnis?

Musikalisch und auch geräuschtechnisch finde ich The Occultist unglaublich gelungen. Wie in einem guten Horrorfilm werden die Instrumente des Orchesters schneller und lauter, sobald etwas passieren könnte. Da aber nicht immer genau dann auch ein Jumpscare oder Ähnliches kommt, bleibt der Adrenalinspiegel stets im oberen Bereich.

Zusammenfassung

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