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Honeycomb Echo Aviation Controller im Test

Lange Zeit standen Flugsimulations-Fans vor einem Dilemma: Entweder man investiert hunderte Euro und wertvollen Platz in ein massives Alpha/Bravo-Setup von Honeycomb, oder man gibt sich mit der unpräzisen Steuerung eines Standard-Xbox-Controllers zufrieden. Mit dem Echo Aviation Controller schließt Honeycomb diese Lücke und verspricht ein vollständiges Flugsteuerungssystem im Handheld-Format.

Der Echo will kein Allround-Gamepad sein, sondern ein spezialisiertes Sim-Tool im kompakten Format. Mit Hall-Effect-Sensoren, Trim-Wheel, mehreren Slidern, rückseitigen Rudder-Paddles und flugtypischen Schaltern verspricht er deutlich mehr Cockpit-Feeling als klassische Controller. Die Frage ist: Reicht das in der Praxis wirklich für anspruchsvolle Simmer?

Features

  • Sensorik (Achsen): Kontaktlose 16-Bit Hall-Effekt-Sensoren (magnetisch)
  • Achsen-Auflösung: 65.536 Stufen pro Achse
  • Konnektivität: 2.4 GHz Low-Latency Wireless & USB-C (HID-kompatibel)
  • Polling Rate: 1.000 Hz (im kabelgebundenen Modus)
  • Akku: 1.200 mAh Li-Ion (ca. 15h Laufzeit)
  • Throttle-Einheit: 4-Hebel-Quadrant mit programmierbaren Detents
  • Ruder-Steuerung: Mechanisch gekoppelte Dual-Paddles (Z-Achse)
  • Zusatzeingaben: 1x Trimmrad, 8-Wege-HAT, 12 digitale Buttons, 2 Kippschalter
  • Gewicht: 480g (inkl. interner Vibrationsmotoren für Stall-Feedback)

Packungsinhalt

  • Echo Aviation Controller
  • Hartschalen-Reiseetui
  • Hebelverschlüsse für die kommerzielle und allgemeine Luftfahrt
  • 2,4-GHz-Funkdongle
  • USB-C auf USB-A Kabel
  • Schnellstart-Anleitung

Preis: 149,99 Euro UVP

Echo-Aviation-Controller-Lieferumfang

Design & Haptik: Viel Technik auf wenig Raum

Schon beim ersten Auspacken fällt auf: Das ist kein gewöhnliches Gamepad. Der Echo ist deutlich massiver und erinnert eher an ein professionelles Messinstrument. Das Gehäuse ist robust, die Verarbeitung hochwertig und die gummierte Oberfläche sorgt für einen guten Grip bei längeren Flügen. Besonders hervorzuheben ist das mitgelieferte Hard-Shell-Travelcase, was den mobilen Anspruch unterstreicht. Beigelegt sind neben dem USB-Dongle noch weitere austauschbare Hebelknöpfe um den Controller bestmöglich an die Simulation des entsprechenden Flugmodells anpassen zu können. Verbinden lässt sich der Controller mit dem PC oder Mac per mitgeliefertem USB-Dongle oder mit einem USB-C Kabel. Für den Dongle gibt es übrigens ein Software-Update auf der Webseite, welches ihr vorher installieren solltet.

Das Herzstück: 16-Bit Hall-Effekt-Sensorik

Honeycomb setzt beim linken Daumenstick und bei den Ruderpaddles auf magnetische Hall-Effekt-Sensoren. Das bedeutet:

  • Kein Drift: Da keine physische Reibung an Potentiometern stattfindet, gehört Stick-Drift der Vergangenheit an.
  • Präzision: Die 16-Bit-Auflösung ermöglicht extrem feinfühlige Korrekturen im Endanflug, die mit einem Standard-Controller schlicht unmöglich wären.

Echo-Aviation-Controller-Ansicht-vorne

Die Steuerung: Ein durchdachtes Hybrid-Konzept

Der Echo versucht, alle drei Hauptkomponenten (Alpha, Bravo, Charlie) zu vereinen – und das gelingt überraschend gut.

  • Der Hybrid-Stick: Eine echte Innovation. Während die vertikale Achse (Pitch) gleitet, ist die horizontale Achse (Roll) pendelnd aufgehängt. Das simuliert das Gefühl eines Yokes deutlich besser als ein gewöhnlicher 360-Grad-Stick.
  • Throttle-Quadrant im Mini-Format: Auf der Vorderseite finden wir vier analoge Schieberegler mit spürbaren Rasten (Detents). Dank austauschbarer Hebelköpfe lässt sich das Setup von einer einmotorigen Cessna bis hin zum viermotorigen Jet (747-Style) anpassen.
  • Trimmung & Fahrwerk: Rechts sitzt ein texturiertes Trimmrad, das präzise arbeitet. Darunter befinden sich physische Kippschalter für das Fahrwerk, die Klappen (Flaps) und sogar ein Pull/Push-Knopf für die Parkbremse.
  • Ruder-Paddles: Auf der Rückseite finden wir zwei mechanisch gekoppelte Paddles für die Gier-Achse (Yaw). Sie bewegen sich gegensätzlich – drückt man links, kommt rechts das Paddle heraus. Ein guter Ersatz für sperrige Ruderpedale.

Gerade das Trim-Wheel ist ein echter Alltagsvorteil. Viele unterschätzen, wie oft man während eines Flugs nachtrimmt. Mit klassischem Controller landet das schnell auf unbequemen Tastenkombinationen oder Menüs. Hier passiert es direkt und intuitiv. Und die Kombination aus Hall-Sensorik + mehrstufiger Eingabelogik (Stick, Slider, Hebel, Paddles) macht den Echo interessant: Er bietet mehr „Achsen- und Systemdenken“ als normale Pads, bleibt aber viel kompakter als ein klassisches Simpit.

Echo-Aviation-Controller-Ansicht-hinten

Setup & Mapping: Plug-and-Play? Jein

Der Echo funktioniert grundsätzlich in der Flugsimulation und wird erkannt, es ist aber standardmäßig kein spezielles Profil hinterlegt. Sein volles Potenzial entfaltet er aber erst mit sauberem Profiling, auf welches wir im folgenden genauer eingehen wollen:

Unsere Empfehlung für die ersten Stunden:

  • Ein eigenes General-Profil anlegen und als Basis dafür das „allgemeine Profil“ von der Webseite unter Downloads für den MSFS2024 herunterladen und die Datei importieren.
  • Ein separates Airplanes-Profil erstellen als Basis dafür das passende „Flugzeugprofil“ von der Webseite unter Downloads für den MSFS2024 herunterladen und die Datei importieren.
  • Deadzones und Sensitivität für Pitch/Roll/Yaw fein abstimmen
  • Slider pro Flugzeugtyp logisch belegen
  • Trim-Verhalten testen, bis der Flieger gut „in der Hand liegt“

Das kostet initial etwas Zeit, spart danach aber bei jedem Flug Nerven. Sehr hilfreich zu Beginn ist auch der Download der Tastenbelegung und Zuordnung im Profil, welche ihr ebenfalls von der Webseite herunterladen könnt. Was uns bei der Belegung unseres Profils aufgefallen ist, das die Achse für die Pedale (Paddles), also das Seitenruder verkehrt belegt waren, also erst invertiert werden müssen. Auch sind einige der Tasten nicht belegt und Funktionen müssen erst zugeordnet werden. Da hätten wir uns von einem vorgefertigtem Profil etwas mehr erwartet, Nacharbeit ist also in diesem Bereich notwendig.

Echo-Aviation-Controller-Button-Layout

Honeycomb Echo MSFS Schnellprofil in 60 Sekunden

Profilname z.B: Echo-Aviation

Belege nur diese 8 Funktionen:

  1. Ailerons Axis → Hauptstick X
  2. Elevator Axis → Hauptstick Y
  3. Rudder Axis → Rückseiten-Paddles
  4. Throttle Axis → Slider 1
  5. Elevator Trim Up → Trim Wheel vorwärts
  6. Elevator Trim Down → Trim Wheel rückwärts
  7. Parking Brake Toggle → gut erreichbarer Button
  8. Landing Gear Toggle → gut erreichbarer Button

Das reicht für Starts, Platzrunden, Landungen und normale VFR-Flüge.

Empfindlichkeit als Startwert:

  • Pitch/Roll Sensitivity: -30
  • Rudder Sensitivity: -35
  • Deadzone Pitch/Roll: 3 %
  • Deadzone Rudder: 5 %
  • Throttle Deadzone: 1 %

30-Sekunden-Check vor dem Start

  • Stick links/rechts: Querruder bewegen sich korrekt
  • Stick vor/zurück: Höhenruder korrekt
  • Paddles: Seitenruder korrekt
  • Slider 1: Schub von Idle bis Vollgas linear
  • Trim Wheel: Trimmung sichtbar hoch/runter
  • Gear/Parking Brake: Schaltet sauber

Echo-Aviation-Controller_Screen_MSFS2024

Im Flugtest: Wo der Echo glänzt – und wo Grenzen bleiben

VFR / General Aviation
Hier ist der Echo richtig stark. Platzrunde, Sightseeing, VOR-Navigation, kurze IFR-Hops: Alles fühlt sich direkt, kontrolliert und wesentlich „aviatischer“ an als mit normalem Controller.

IFR / Airliner
Gut nutzbar, aber kein Wundergerät. Für komplexe Airliner-Flows mit vielen FMC-/Autopilot-/System-Eingriffen bleibt Maus/Tastatur oder Zusatzhardware sinnvoll. Der Echo hilft bei der Flugführung, ersetzt aber kein komplettes Homecockpit.

Helis & Spezialfälle
Machbar, aber stark abhängig vom Feintuning. Ohne saubere Kurven kann’s nervös werden. Mit sauberem Profil ist es brauchbar — nur eben nicht ganz auf Spezialhardware-Niveau.

Ergonomie über längere Sessions

In langen Sessions zeigt sich, ob ein Controller wirklich taugt. Der Echo bleibt auch nach längerer Nutzung gut kontrollierbar, vor allem weil wichtige Funktionen nicht auf umständliche Tastenkombinationen ausgelagert sind. Die Handhabung ist klar auf Simulation statt „Casual Pad Comfort“ ausgelegt — das ist für die Zielgruppe ein Plus, aber keine universelle Lösung für jeden Spieltyp.

FAZIT

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