Einige Jahre sind bereits vergangen, seit Nioh 2 das Licht der Welt erblickte und wir uns durch ein düsteres Fantasy-Japan voller Yokai schnetzeln durften. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Nun bringen die Entwickler von Team Ninja am 6. Februar 2026 endlich Nioh 3 auf den Markt. Die Erwartungen innerhalb der Fangemeinde sind enorm, und eine zentrale Frage steht im Raum: Wie sehr kann sich die Nioh-Reihe mit dieser Fortsetzung tatsächlich weiterentwickeln?
Nioh dürfte wohl jedem Soulslike-Fan ein Begriff sein. Kein Wunder, denn die Reihe genießt einen ausgezeichneten Ruf – so zählen der erste und zweite Teil zu den besten Genrevertretern, die nicht direkt von FromSoftware stammen. Auch ich hatte mit beiden Vorgängern enorm viel Spaß, weshalb die Vorfreude auf die Fortsetzung entsprechend groß war. Nioh 3 verspricht dabei genau das, was ich an der Reihe so schätze: knackige Gegner und Bosse, zahlreiche Build-Möglichkeiten sowie ein actiongeladenes Kampfsystem. Und tatsächlich hält der Titel dieses Versprechen nicht nur – er übertrifft meine Erwartungen sogar.

Eine Reise durch die Zeit
Zu Beginn des Spiels schreiben wir das Jahr 1622, und Japan lebt in einer Ära des Friedens. Diesmal spielen wir, im Gegensatz zu Nioh 2, wieder einen namhaften Charakter: Tokugawa Takechiyo, der Enkel des berühmten Tokugawa Ieyasu. Nachdem wir in einem großartigen Charaktereditor unseren zukünftigen Dämonenschlächter (oder Dämonenschlächterin) erstellt haben, geht es los. Denn niemand anderer als wir soll der nächste Shogun werden, und so startet das Spiel am Tag unserer Ernennung. Doch würde dieser Übergang reibungslos verlaufen, hätten wir wohl kaum eine Grundlage für unser Abenteuer, nicht wahr?
Unser jüngerer Bruder Kunimatsu verrät uns nämlich hinterrücks. Von einer dunklen Macht besessen, überfällt er mit einer Armee von Yokai unsere Gefolgsleute – und uns gleich mit. Kurz vor unserem Tod greift jedoch unser Schutzgeist Kusanagi ein und rettet uns in letzter Sekunde, indem er uns schnurstracks in die Vergangenheit schickt: in die Zeit unseres Großvaters und seines Feldzugs um den Titel des Shoguns. Doch was sollen wir hier bewirken? Und was war das für eine finstere Kraft, die unseren Bruder befallen hat? Diese und viele weitere Fragen haben wir im Verlauf von Nioh 3 zu klären.
Grundsätzlich muss man sagen, dass die Story bislang noch nie das größte Verkaufsargument der Nioh-Reihe war – und das ändert sich auch mit dem neuen Ableger nicht wirklich. Allerdings würde ich behaupten, dass Teil 3 insgesamt die spannendste Handlung der Reihe bietet. Die Nebenfiguren – von denen viele wieder auf realen japanischen Persönlichkeiten basieren – rücken stärker in den Fokus. Es gibt epische Momente, und allein die Frage, was hier eigentlich zur Hölle vor sich geht, sorgt dafür, dass man neugierig immer weiter in die Story hineingezogen wird. Zumindest hatte ich während meines Tests durchgehend Lust, in die Handlung einzutauchen und selbst jede unscheinbare Nebenquests mitzunehmen. Der Schwierigkeitsgrad ist am Rande erwähnt ähnlich den Vorgängern. Also ziemlich herausfordernd, aber nicht unfair schwer. Mit ein wenig Übung fällt auch der stärkste Boss irgendwann durch unsere Klinge.
Ein mutiger Schritt nach vorne
Große Veränderungen gibt es außerdem beim Gameplay. Die Nioh-Reihe verstand sich schon immer als clevere Mischung aus Soulslike und Hack-and-Slay-Elementen. Im Kern bleibt das auch so, doch die Entwickler haben viele etablierte Mechaniken verbessert, erweitert und um neue Features ergänzt. Die wichtigste Neuerung ist der sogenannte „Stilwechsel“. Dabei können wir nahtlos zwischen zwei Kampfstilen wechseln: Samurai und Ninja. Im Samurai-Stil erleben wir das klassische Gameplay, das man aus der Reihe kennt. Mit einer Vielzahl an Waffen wie Katana, Speer oder Odachi kämpfen wir in Rüstung und kombinieren hohe, mittlere und tiefe Haltungen, um unsere Gegner zu dominieren.
Der Ninja-Stil setzt dagegen voll auf Tempo und Vielseitigkeit. Nur in dieser Form können wir etwa Shuriken oder Wurfbomben einsetzen, zudem fällt das Ausweichen deutlich leichter. Während wir als Samurai unser Ki (also unsere Ausdauer) – wie schon in den Vorgängern – per gut getimtem Ki-Impuls wiederherstellen können, muss der Ninja auf diese Möglichkeit allerdings verzichten. Bei normalen Gegnern reicht aber meist einer der beiden Stile völlig aus. Gegen stärkere Feinde und vor allem Bosse wird der Wechsel jedoch schnell essenziell. Bestimmte unblockbare Angriffe lassen sich nur kontern, indem man im richtigen Moment den Stilwechsel ausführt. Ich selbst war überwiegend als Samurai unterwegs und wechselte meist nur zum Ninja, um genau solche Konter zu setzen. Da man nun gewissermaßen zwei Builds parallel verwaltet, nutzte ich den Samurai als Allrounder, während mein Ninja auf maximalen Schaden ausgelegt war – schließlich wechselte ich ohnehin schnell wieder zurück. Gleichzeitig eröffnet das System zahlreiche weitere Herangehensweisen, sodass für jeden Spielstil passende Optionen vorhanden sind.
Apropos Builds: Ausrüstungsmanagement und Loot-System wurden im Grunde aus den Vorgängern übernommen. Gegner lassen nach ihrem Tod eine Vielzahl an Gegenständen fallen, ebenso enthalten Leichen und Truhen regelmäßig mehrere Waffen, Rüstungsteile und Items. Das Inventar füllt sich dadurch rasend schnell. Da jede Waffe unterschiedliche Werte, Boni, Seltenheiten und Stufen besitzt, kommt man kaum darum herum, regelmäßig sein Equipment zu sortieren, zu verkaufen oder zu zerlegen. Dieses System bietet enorme Freiheit bei der Charakterentwicklung, wird jedoch schnell unübersichtlich und komplex. Gerade für Einsteiger kann das abschreckend wirken – besonders dann, wenn man wirklich alles aufsammelt, was man findet.
All das sorgt aber ohne Zweifel dafür, dass man mit Nioh 3 die tiefste und vermutlich auch rundeste Erfahrung seit dem Erscheinen des ersten Teils geboten bekommt. Das Leveln der Attribute, das Freischalten neuer Fähigkeiten und Schutzgeister sowie viele weitere Systeme führen dazu, dass man schon Stunden damit verbringen kann, seinen perfekten Samurai (oder Ninja) zu erschaffen. Kämpft man sich anschließend noch durch die große Vielfalt an menschlichen und dämonischen Gegnern, steht einem fesselnden Gameplay-Loop nichts mehr im Weg.
Offener als jemals zuvor
Neben der Einführung des Stilwechsels gibt es noch eine weitere große Neuerung: Die verschiedenen Provinzen, die wir im Laufe unseres Abenteuers besuchen, sind nun als Open Fields frei erkundbar. In den Vorgängern wählte man Missionen über eine Karte aus und wurde anschließend in verwinkelte, schlauchartige Level geschickt – damit ist jetzt Schluss. Zwar lässt sich Nioh 3 nicht als vollwertiger Open-World-Titel bezeichnen, doch die einzelnen Gebiete laden deutlich stärker zum Erkunden ein. Zusätzlich sind zahlreiche Points of Interest über die Karte verteilt, darunter besonders mächtige Yokai, feindliche Lager und vieles mehr.
Im Verlauf der Geschichte werden wir außerdem immer wieder in sogenannte „Fegefeuer“ geschickt – Abschnitte, in denen wir in das Reich der Yokai eindringen. Diese orientieren sich deutlich stärker am Aufbau der Vorgänger und zeichnen sich durch ihr verschachteltes sowie spürbar anspruchsvolleres Leveldesign aus. Als Belohnung winkt jedoch stärkere Ausrüstung, die wir für unser weiteres Abenteuer gut gebrauchen können. Außerdem machen wir auch noch Abstecher in weitere Epochen, was nochmal für zusätzliche Abwechslung sorgt.
Auch technisch macht das Spiel eine gute Figur. Zwar fallen vereinzelt unsaubere Texturen auf, und insgesamt handelt es sich vielleicht nicht um ein grafisches Meisterwerk, doch Welt, Figuren und vor allem das Gegnerdesign wissen zu überzeugen. Nur wenn besonders viel gleichzeitig auf dem Bildschirm passiert, kam es auf der PlayStation 5 zu kleineren FPS-Einbrüchen – diese ließen sich jedoch an einer Hand abzählen. Von Bugs oder anderen technischen Problemen blieb meine Testversion verschont. Auch Audio und Soundtrack bewegen sich wieder auf gewohnt hohem Niveau.
Zusammenfassung
FAZIT
Doch wie finde ich Nioh 3 nun persönlich? Die kurze Antwort: Unfassbar gut. Der neueste Teil der Reihe verfeinert die Kernelemente, die bereits in den Vorgängern aufgebaut wurden, überzeugt mit verbessertem Gameplay und bringt genug Neuerungen mit, um sich dennoch frisch anzufühlen. Natürlich mögen manche Spieler die klassische Missionsauswahl den offenen Gebieten vorziehen, doch ich habe keinen der Abschnitte als lästig, leer oder langweilig empfunden. Auch die Menge an verschiedenen Mechaniken oder die übertriebene Menga an Loot können anfangs überfordern, doch mit ein wenig Zeit findet man sich auch da wunderbar zurecht. Die Geschichte ist zwar wieder kein Highlight, erzählt aber eine solide, bodenständige und unterhaltsame Story über den Kampf gegen das Böse – voller japanischem Charme.
Und vor allem: Es ist einfach mehr Nioh. Nach ein paar Patches dürften auch die kleinen technischen Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt sein, und übrig bleibt ein hervorragendes Soulslike, das sich kein Genre-Fan entgehen lassen sollte.
