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ZERO PARADES: For Dead Spies im Test

Rätselt euch im neuen Rollenspiel vom Entwickler und Publisher ZA/UM durch einen spannenden Agententhriller. Verliert nicht euren Verstand, sauft euch nicht zu Tode, lasst euch nicht erschießen – noch eine Chance werdet ihr in eurer Karriere als Spion nicht erhalten… nachdem bereits eure letzte Mission ein Desaster war.

ZERO PARADES: For Dead Spies wird als Nachfolger des genialen Rollenspieles Disco Elysium aus dem Jahr 2019 beworben. Die verwendete Spielengine ist auch die selbe, aber die kreativen Köpfe hinter Disco Elysium arbeiten heute größtenteils nicht mehr bei ZA/UM. Es gab einige Zeit nach dem Erscheinen von Disco Elysium einen ordentlichen Streit zwischen Investoren und kreativen Köpfen des Studios – mit dem Ergebnis, dass viele der maßgeblichen Mitarbeiter von damals inzwischen wo anders beschäftigt sind. Das merkt man dem Spiel jedoch auf den ersten Blick nicht an – die Grafik und vor allem die depressive Stimmung erinnern sehr stark an Disco Elysium. Ich habe es zwar nicht geschafft, mich in den ersten Spielminuten völlig besoffen unabsichtlich mit meiner Krawatte am Deckenventilator aufzuhängen, aber auch inZERO PARADES: For Dead Spies habt ihr schnell ein Problem mit dem Alkohol, wenn ihr nicht aufpasst.

Zu Beginn erstellen wir unseren Charakter. Wir spielen die Spionin Hershel (Codename Cascade), und können Anfangs ihre Charakterwerte beeinflussen. Und diese Werte nehmen großen Einfluss auf den Spielverlauf. Zuerst wählen wir, ob Hershel körperlich stark und intellektuell zurückgeblieben, oder extrem intelligent aber von schwacher Statur ist. Die Grundauswahl können wir dann noch mit drei individuell vergebenen Punkten verfeinern. Optisch ändert sich dadurch an Hershel nichts – allerdings gibt es eine ganze Menge an Kleidungsstücken im Spiel, die unser Aussehen beeinflussen.

Dystopisch und psychodelisch

Die Welt in ZERO PARADES: For Dead Spies ist fiktional. Das Spiel handelt in dem fiktionalen Stadt-Staat Portofiro. Eine totalitäre Regierung, Verschwörungstheoretiker, verschwundene Menschen, verbotene Produkte. Es erinnert ein wenig an einen kommunistischen Staat zur Zeit des kalten Krieges, in dem andere, reichere Staaten als Feinbilder dargestellt werden.

ZERO PARADES: For Dead Spies schaut auf den ersten Blick wie ein klassisches Point and Click Adventure aus, aber es ist ein Rollenspiel. Es bedient sich der selben Engine wie Disco Elysium. Ihr bewegt euch durch die isometrischen Spielwelt, klickt auf Hotspots um mit ihnen zu interagieren, egal ob ihr mit Leuten redet oder Dinge untersucht. Oft ergeben sich dadurch Handlungsmöglichkeiten, die dann in Multiple-Choice Form dargestellt werden. Aber Vorsicht – ihr könnt nicht einfach alle Möglichkeiten der Reihe nach anklicken (wie oft bei den Gesprächen in klassischen Point and Click Adventures), sondern eure Handlungen haben schnell Konsequenzen. Und die Konsequenzen sind nicht in jedem Spieldurchlauf die selben, da manchmal der Erfolg ausgewürfelt wird. Oder das Ergebnis wird stark beeinflusst durch euren Zustand oder vorherige Handlungen. Eben kein klassisches Adventure mit klar vorgegebenem Lösungsweg, sondern ein Rollenspiel, bei dem verschiedene Resultate möglich sind und der Weg zum Ziel viel breiter ist. Das steigert die Komplexität des Spielverlaufes enorm. Kämpfe wie in einem klassischen AD&D oder JRPG Rollenspiel werdet ihr in ZERO PARADES: For Dead Spies übrigens keine finden.

Passive Skill-Checks werden regelmäßig automatisch durchgeführt – wenn ihr sie positiv absolviert, bekommt ihr meist zusätzliche Informationen oder weitere Handlungsmöglichkeiten. Oft sprecht ihr beispielsweise mit Menschen und bemerkt bestimmte Dinge, oder ihr schaut euch Dinge an und erkennt Details, die andere Leute nicht bemerken. Oder eurer Wissen in bestimmten Fachgebieten gibt euch Hintergrundinformationen, die sonst verborgen geblieben wären.

Ihr habt Geld, die Zeit vergeht mit jeder Handlung, ihr sammelt Erfahrungspunkte –  und drei Charakterwerte beeinflussen das Spiel massiv – eure Müdigkeit, Angst und eure Wahnvorstellungen. Habe ich schon gesagt, dass ihr dieses Spiel vielleicht nicht spielen solltet, wenn ihr depressiv seid? Durch die Stimmung im Spiel und vor allem durch die Kommentare von Hershel könnte sich eure Depression nämlich sonst verschlimmern. Viele Aktionen im Spiel haben Auswirkungen auf diese drei Werte, und eure Handlungsmöglichkeiten und Erfolgschancen werden immer durch sie bestimmt. Ihr habt ein Inventar, eine Karte der Umgebung wird automatisch mit gezeichnet, Informationen in einem Journal niedergeschrieben.

Life of a Spy

Die Story ist recht komplex. Wir spielen Hershel, eine ausgebrannte Spionin, die nach einer längeren Pause wieder aktiviert wurde. Ihr vorangegangener Einsatz war leider ein Desaster, und der neue Auftrag in der Stadt Portofiro beginnt auch nicht sehr erfreulich – unser lokaler Partner ist bei unserem ersten Treffen schwer angeschlagen. Er sitzt in der Unterhose in einem Sessel, starrt in die Leere und ist unfähig, sinnvoll zu kommunizieren.

Unser Steuerungsoffizier in der Heimat bricht die Mission nach dieser Information ab und ruft uns zurück – aber wir weigern uns. Wir beginnen nachzuforschen, was mit unserem Kollegen passiert ist, wen er getroffen hat, was denn hier schief gegangen ist. Wir erkunden die Stadt und versuchen die Aktivitäten unseres Partners nachzuvollziehen. Mit wem hat er geredet, was hat er in den letzten Tagen getan? Wir treffen seltsame Typen – ein Mann wartet seit einer Woche auf die Straßenbahn, weil sie ja der einzige Weg aus der Stadt ist. Eine Händlerin, deren Vater vor einigen Tagen verschwunden ist, nachdem er die falschen Wörter in ein Münztelefon gesagt hat. Wir finden frühere Kollegen und kommen einer Verschwörung auf die Spur, die weltweite Auswirkungen hat…

Einige der Gespräche im Spiel (und davon gibt es viele) sind vertont, einige nicht. Ein Gamepad wird unterstützt, ebenso Spielstände in der Cloud. ZERO PARADES: For Dead Spies gibt es nur am PC, dafür aber auf Steam, GOG und im Epic Store zu kaufen. Einen hochgezüchteten Rechner braucht ihr zum Spielen nicht, aber eine Nvidia GTX 1060 und 16 GB RAM sollten es schon sein. Ich habe es auch am Lenovo Legion Go S Handheld angespielt – funktioniert, aber ein wenig zähflüssig.

Zusammenfassung

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