Lange hat es gedauert, aber das berüchtigte Slasher-Franchise Halloween hat mit dem Release von Halloween: The Game am 8. September 2026 sein eigenes Videospiel bekommen. Gut … die Gruselsaison ist zwar noch nicht so richtig angelaufen, aber hey, dann beginnt sie dieses Jahr eben ein wenig früher. Vor allem, weil der Titel durchaus eine Menge Spaß machen kann, wenn man bereit ist, über ein paar Macken hinwegzusehen.
Ich selbst bin begeisterter Dead by Daylight -Spieler, das schließlich nicht ohne Grund als König dieses Genres gilt. Das Spiel wirkt mittlerweile beinahe unsterblich und bekommt noch immer regelmäßig neue Charaktere, Karten und Events spendiert. Auch Michael Myers war dort lange Zeit ein fester Bestandteil des Universums. Andere Horror-Franchises wie Freitag der 13. haben aber ebenfalls versucht, in diesem Genre Fuß zu fassen, sind damit jedoch früher oder später gescheitert.
Entsprechend skeptisch war ich, als ein eigenes Halloween -Spiel angekündigt wurde. Gleichzeitig war genau das der Grund, warum ich mir den Titel ausführlicher ansehen wollte. Und ja: Halloween: The Game unterscheidet sich tatsächlich ziemlich deutlich von vielen anderen Genrevertretern.

Eine neue, aber sehr kurze Halloween-Geschichte
Die erste große Besonderheit von Halloween: The Game ist, dass der Titel zwar einen klaren Fokus auf den Multiplayer legt, gleichzeitig aber auch eine eigene Singleplayer-Kampagne rund um Michael Myers bietet. Darin übernehmen wir ausschließlich die Rolle des berüchtigten Killers, brechen aus einer psychiatrischen Einrichtung aus und hinterlassen anschließend eine ziemlich blutige Spur. Und … damit wäre die Handlung im Grunde auch schon zusammengefasst.
Denn letztlich lässt sich die Kampagne am besten als etwas längeres, dafür aber recht ausführliches Tutorial beschreiben. Schritt für Schritt lernen wir, wie sich Michael Myers steuert, wie wir potenzielle Opfer beobachten, welche besonderen Fähigkeiten uns zur Verfügung stehen und natürlich, wie wir unsere Ziele möglichst effektiv und grausam ausschalten.
Dabei bekommen wir zwar immer wieder kleinere Aufgaben und Missionsziele vorgegeben, wirklich anspruchsvoll oder tiefgründig wird die Geschichte allerdings nie. Sie ist durchaus nett inszeniert, bietet aber weder besonders lange Unterhaltung noch wäre sie für mich ein großer Grund, Halloween: The Game allein deswegen zu kaufen.
Einige Stunden kann man damit trotzdem problemlos Spaß haben. Gerade Fans der Filme dürften sich über verschiedene Anspielungen und Easter Eggs auf frühere Halloween -Streifen freuen, und auch die grundsätzliche Inszenierung kann sich durchaus sehen lassen. Wer allerdings keinerlei Interesse am Multiplayer hat, wird mit dem Spiel ziemlich schnell durch sein.
Man sollte die Kampagne deshalb wirklich als das betrachten, was sie ist: ein gelungenes Tutorial und ein durchaus unterhaltsamer Einstieg in die Welt von Halloween , aber kein zentrales Verkaufsargument für das gesamte Spiel. Sie ist ein netter Bonus. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Die Flucht vor Michael Myers
Gut, aber wie sieht es denn nun mit dem Multiplayer von Halloween: The Game aus? Das Grundprinzip ist zunächst ziemlich schnell erklärt. Wie bei fast jedem asymmetrischen Multiplayer-Horrorspiel gibt es auf der einen Seite den Killer, in diesem Fall natürlich Michael Myers, und auf der anderen Seite bis zu vier spielergesteuerte Überlebende.
Eine Besonderheit gibt es allerdings: Wir sind nicht die einzigen Menschen, die sich auf den verschiedenen Karten herumtreiben. In den Häusern und Straßen leben zahlreiche NPCs, und unsere Aufgabe als Bürger besteht deshalb nicht nur darin, selbst irgendwie mit heiler Haut davonzukommen. Gleichzeitig sollen wir möglichst viele dieser Bewohner vor Myers retten.
Je nachdem, wie viele seiner Ziele Michael während einer Runde erwischt oder wie viele ihm entkommen, sammelt er Punkte. Sein Endstand entscheidet schließlich darüber, ob die Überlebenden oder der Killer die Partie gewinnen. Das ist für das Genre tatsächlich eine ziemlich interessante Idee und funktioniert überraschend gut. Gerade die Koordination mit den anderen Spielern und den NPCs macht einen großen Teil des Reizes von Halloween: The Game aus.
Aufseiten der Überlebenden stehen insgesamt zehn unterschiedliche Zivilisten zur Auswahl, die jeweils eigene passive Fähigkeiten und Perks besitzen können. Spielen und leveln wir die einzelnen Figuren, schalten wir unter anderem kosmetische Anpassungen oder sogar Startgegenstände frei. Für mich persönlich war dieser Fortschritt zwar nicht sonderlich wichtig, trotzdem gibt es genügend Möglichkeiten, den eigenen Spielstil ein wenig anzupassen.
Sobald eine Runde beginnt, ziehen wir durch die nächtlichen Straßen, durchsuchen Häuser, halten Ausschau nach Bewohnern, verstecken uns vor Myers und versuchen irgendwie, einen Weg aus der Stadt zu finden. Ganz freiwillig kommen die NPCs allerdings nicht mit. Zuerst müssen wir sie aufspüren und anschließend davon überzeugen, dass draußen tatsächlich ein maskierter Irrer Menschen abschlachtet. Das geschieht über verschiedene Minispiele, die Spielern von Dead by Daylight durchaus bekannt vorkommen dürften. Haben wir einen Bewohner überzeugt, kann dieser sich beispielsweise verstecken, uns folgen oder sogar versuchen, die Polizei zu verständigen.
Danach beginnt die eigentliche Flucht. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: Wir können ein Fahrzeug reparieren, auf die Polizei warten, einen anderen Ausgang aus der Stadt suchen oder beispielsweise über einen unterirdischen Keller entkommen. Für jeden dieser Wege müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Vielleicht fehlt noch Benzin für das Auto. Oder wir benötigen einen Bolzenschneider, um einen versperrten Zugang zu öffnen. Eventuell fehlt uns noch irgendein anderes Werkzeug, das irgendwo in einem Haus, einer Garage oder auf der Straße herumliegt. Zusätzlich lassen sich Waffen und zahlreiche weitere Gegenstände finden, die uns gegen Michael oder in anderen gefährlichen Situationen helfen können.
Dadurch entstehen während einer Runde erstaunlich viele Möglichkeiten. Wir können gezielt an unserer eigenen Flucht arbeiten, anderen Spielern helfen, Bewohner retten oder spontan unsere Pläne ändern, wenn Myers plötzlich genau dort auftaucht, wo wir eigentlich hinwollten. Und ja, Michael selbst ist natürlich praktisch unsterblich. Trotzdem können wir ihn mit bestimmten Waffen und Aktionen zumindest für eine gewisse Zeit außer Gefecht setzen. Gerade wenn er einem bereits im Nacken sitzt, ist das ausgesprochen praktisch. Selbst der Tod bedeutet übrigens nicht zwangsläufig das Ende einer Runde. Wer frühzeitig ins Gras beißt, kann unter bestimmten Umständen als Polizist oder sogar als der bekannte Dr. Loomis zurückkehren und den übrigen Spielern weiterhelfen.
Auf der anderen Seite fällt Michaels Aufgabe deutlich unkomplizierter aus: suchen, jagen, töten. Wiederholen. Trotzdem macht auch diese Seite überraschend viel Spaß. Seine Opfer lassen sich nicht einfach nur verfolgen und ausschalten. Michael kann sie zunächst beobachten, stalken und auf unterschiedliche Weise unter Druck setzen. Dazu kommen spezielle Fähigkeiten wie der sogenannte Shape Jump, mit dem er sich durch Schatten und dunkle Bereiche schnell und nahezu unbemerkt bewegen kann.
Dadurch entstehen genau diese wunderbar unangenehmen Momente, in denen man als Überlebender eigentlich glaubt, gerade sicher zu sein, nur damit Michael Sekunden später plötzlich wenige Meter entfernt aus der Dunkelheit auftaucht. Auch für ihn lassen sich im Laufe der Zeit weitere Waffen, Outfits und Perks freischalten, sodass zumindest etwas zusätzlicher Fortschritt vorhanden ist.
Man merkt also ziemlich schnell: Halloween: The Game ist im Kern durchaus ein klassischer Vertreter des asymmetrischen Multiplayer-Horrors, bringt aber genügend eigene Ideen und Mechaniken mit, um nicht einfach nur wie die nächste Variante von „Repariere fünf Generatoren und verschwinde“ zu wirken. Natürlich macht sich nach vielen Runden irgendwann auch hier eine gewisse Wiederholung bemerkbar. Sobald man die Karten, möglichen Fluchtwege und typischen Abläufe kennt, verliert manches ein wenig von seinem anfänglichen Überraschungseffekt.
Die einzelnen Matches machen trotzdem ordentlich Spaß. Gerade für Fans des Genres oder des Halloween -Franchises funktioniert das Konzept erstaunlich gut, weil es bekannte Mechaniken mit genügend eigenen Ideen verbindet, um zumindest ein wenig frischen Wind durch die dunklen Straßen von Haddonfield wehen zu lassen.
Die (un)schönen Seiten von Halloween
Atmosphärisch, grafisch und auch soundtechnisch ist Halloween: The Game durchaus ein Hingucker. Die dunklen Straßen wirken unheimlich, die Häuser und ihre Innenräume sind detailliert gestaltet und auch die verschiedenen Maps können sich sehen lassen. Grafisch bewegt sich das Spiel auf einem hohen Niveau: Lichteffekte, Charaktermodelle und Umgebungen wirken modern und tragen viel zur bedrückenden Stimmung bei. Und wenn in der letzten Minute einer Runde plötzlich das bekannte Halloween -Theme einsetzt, während irgendwo Michael Myers durch die Dunkelheit stapft, kann einem durchaus eine kleine Gänsehaut über den Rücken laufen.
Was ich allerdings unbedingt erwähnen muss, ist die technische Seite des Spiels. Genau sie war auch einer der Gründe, warum ich mir mit diesem Test etwas mehr Zeit lassen wollte. Denn gerade in der ersten Woche war die Technik teilweise ein echter Stimmungskiller. Verbuggte Charakteranimationen, extrem lange Matchmaking-Zeiten, Abstürze, Gegenstände, die nicht richtig funktionierten, und zahlreiche kleinere Probleme begleiteten Halloween: The Game zum Release. Es war wieder einmal einer dieser Starts, bei denen man deutlich merkt, dass ein Spiel eigentlich noch etwas mehr Zeit gebraucht hätte.
Immerhin muss man den Entwicklern zugutehalten, dass sie ziemlich schnell reagiert haben. Zahlreiche Probleme wurden bereits behoben und mittlerweile läuft das Spiel deutlich besser als noch zum Start. Perfekt ist es allerdings weiterhin nicht, und hier und da stolpert man noch immer über kleinere technische Macken.
Ein anderes Problem könnte langfristig die bereits angesprochene Wiederholung werden. Denn so viel Spaß die einzelnen Runden auch machen können, irgendwann stellt sich zwangsläufig die Frage, wie lange dieses Konzept wirklich motiviert. Gerade wenn man die Karten, Fluchtwege und typischen Abläufe immer besser kennt, verliert das anfängliche Chaos ein wenig von seinem Reiz. Entscheidend wird deshalb sein, ob die Entwickler das Spiel langfristig mit neuen Inhalten, Mechaniken, Maps oder anderen Überraschungen frisch halten können.
Meine größten Kritikpunkte liegen damit nicht einmal direkt beim eigentlichen Gameplay. Das halte ich persönlich nämlich für ziemlich gelungen, und gerade gemeinsam mit Freunden hatte ich wirklich eine Menge Spaß. Problematischer sind für mich vielmehr die technischen Baustellen, die hoffentlich nach und nach verschwinden, sowie die Frage, ob sich Halloween: The Game langfristig gegen einen Giganten wie Dead by Daylight behaupten kann. Denn gute Ideen und unterhaltsame Runden sind definitiv vorhanden. Ob das allerdings reicht, um die Spieler auch Monate oder Jahre später noch nach Haddonfield zurückzulocken, muss sich erst noch zeigen.
Zusammenfassung
FAZIT
Würde ich Halloween: The Game also weiterempfehlen? Ja … wenn man weiß, worauf man sich einlässt.
Wer Spiele wie Dead by Daylight mag, nichts gegen gemeinsamen Slasher-Horror hat oder einfach ein Fan des Halloween -Franchises ist, wird hier ziemlich sicher seinen Spaß haben. Dazu kommt, dass das Spiel mit rund 40 Euro zwar alles andere als günstig ist, aber zumindest nicht zum klassischen Vollpreis verkauft wird. Für den derzeit gebotenen Umfang geht der Preis meiner Meinung nach deshalb noch in Ordnung.
Wer dagegen ein technisch bereits rundum ausgereiftes Spiel, eine umfangreiche Einzelspielerkampagne oder dauerhaft viel Abwechslung erwartet, sollte sich den Kauf genauer überlegen. Gerade die Kampagne ist letztlich kaum mehr als ein umfangreiches Tutorial, während beim Multiplayer erst die kommenden Monate zeigen müssen, wie lange das Konzept wirklich motivieren kann.
Denn genau dieser Multiplayer ist das große Herzstück von Halloween: The Game . Und wenn die Technik mitspielt, funktioniert er verdammt gut. Die Jagd durch Haddonfield, das Zusammenspiel mit anderen Überlebenden und NPCs sowie die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Flucht sorgen für spannende Runden und geben dem bekannten Genre genügend eigene Ideen mit auf den Weg.
Perfekt ist diese Reise nach Haddonfield also definitiv nicht. Technische Probleme und die Gefahr zunehmender Wiederholung werfen noch einige Schatten auf das Gesamtbild. Gleichzeitig steckt hinter der Maske aber ein überraschend unterhaltsames Multiplayer-Spiel, das die Atmosphäre der Vorlage gut einfängt und sich nicht einfach damit zufriedengibt, Dead by Daylight zu kopieren.
Für den ersten eigenen Ausflug von Halloween in die Spielewelt ist das deshalb ein ziemlich gelungener Einstieg. Ob ich allerdings auch an Halloween selbst noch durch Haddonfield schleichen werde? Das wird wohl erst die Zeit zeigen.
