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Marvel Tokon: Fighting Souls im Test

Marvel hat dieses Jahr einen richtigen Lauf! Neben dem kürzlich erschienenen neuen Spider-Man -Film und dem kommenden Avengers -Teil dürfen sich nicht nur Kinofans freuen. Auch die Fighting-Game-Community bekommt mit Marvel Tokon: Fighting Souls einen neuen Ableger im bekannten Superheldenuniversum. Doch ein großes Franchise allein sorgt natürlich noch lange nicht für ein hervorragendes Spiel. Wie gut schlägt sich der neue Titel also im Vergleich zur starken Konkurrenz?

Ich selbst habe mich auf Marvel Tokon schon länger gefreut, schließlich habe ich bereits auch einige Spielstunden in anderen Titeln von Arc System Works verbracht, darunter vor allem Dragon Ball FighterZ und Granblue Fantasy Versus: Rising . Schon die Trailer konnten mich mit ihrem Stil überzeugen. Etwas skeptisch war ich allerdings bei der Idee, mit einem Team aus gleich vier Kämpfern gegen andere Spieler anzutreten. Immerhin hat es bei FighterZ schon eine ganze Weile gedauert, bis ich überhaupt mal ganze drei Figuren halbwegs sicher beherrscht habe. Trotz dieser anfänglichen Bedenken kann ich nach meinem Spieltest sagen: Marvel Tokon: Fighting Souls ist ein richtig guter Neuzugang für das gesamte Genre.

MTFS - Star Lord

Der Kampf gegen den Champion

Grundsätzlich sind Geschichten bei Fighting Games ja sowieso so eine Sache, doch auch bei Marvel Tokon gehen Einzelspieler zumindest nicht vollkommen leer aus. Das Setting ist schnell erklärt: Der übermächtige Kämpfer namens Champion – ja, nein, kein Witz, der heißt wirklich so – sehnt sich nach würdigen Gegnern und möchte deshalb die Erde auf die Probe stellen. Können ihm die Helden einen spannenden Kampf liefern, ist er zufrieden. Wenn nicht … löscht er die Erde einfach aus. Ein bisschen radikal, aber hey, wer bin ich als Marvel -Fan, das zu hinterfragen?

Bevor die Helden und Schurken allerdings gegen den Champion antreten dürfen, müssen sie sich zunächst untereinander messen, denn nur die Stärksten sind gut genug für ihn. Dafür müssen die Team-Captains – also Spider-Man, Captain America, Storm, Doctor Doom und Ghost Rider – jeweils drei weitere Mitglieder für ihre Mannschaft finden. Ist das geschafft, kann das Turnier um die Rettung der Welt auch schon beginnen.

Erzählt werden die Geschichten – insgesamt gibt es fünf alternative Handlungsbögen rund um die verschiedenen Teams – in einem charmanten Comic-Stil. Klassische Cutscenes gibt es nur selten, stattdessen wird die Handlung hauptsächlich durch das Umblättern einzelner Comicseiten präsentiert. Wer selbst Comics liest oder zumindest schon einmal einen in der Hand hatte, dürfte sofort wissen, was ich meine. Die verschiedenen Panels sind dabei qualitativ wirklich hervorragend gezeichnet und ebenso überzeugend vertont – und das sogar auf Deutsch.

Die Geschichten selbst unterhalten allerdings nicht sonderlich lange und dienen merklich eher als Einführung sowie als Gelegenheit, die verschiedenen Figuren auszuprobieren. Außerdem lässt sich eine weitere spielbare Figur freischalten: der Champion selbst. Abgesehen davon spielen sich die fünf Handlungsstränge allerdings größtenteils ähnlich, auch wenn sie sich in ihrer Stimmung durchaus unterscheiden.

Neben der Story bietet Marvel Tokon für Solospieler noch weitere Modi wie etwa den Arena-Modus, in dem man ebenfalls einige Zeit verbringen kann. Trotzdem fällt das Gesamtpaket für reine Einzelspieler recht überschaubar aus. Wer mit Multiplayer-Kämpfen wirklich gar nichts anfangen kann, dem fällt es mir schwer, hier einen klaren Daumen nach oben zu geben. Doch Marvel Tokon hat noch einiges mehr zu bieten – und genau da geht es im Grunde erst richtig los.

Vier gewinnt

Wie bereits erwähnt, können wir uns aus insgesamt 21 spielbaren Figuren unser perfektes Vierer-Marvel-Team zusammenstellen. Weitere Charaktere sollen im Laufe der Zeit per DLC hinzukommen. Schon zum Start sind zahlreiche bekannte Namen wie Iron Man, Hulk oder Deadpool dabei, die für Marvel Tokon jeweils ein eigenes, teils deutlich angepasstes Design spendiert bekommen haben.

Spielerisch ist Marvel Tokon zwar nicht ganz so komplex, wie man es beispielsweise von einem Tekken gewohnt ist, gerade Anfänger sollten sich für das Tutorial und die verschiedenen Charakterleitfäden aber trotzdem etwas Zeit nehmen. Dort werden nicht nur die grundlegenden Angriffe erklärt, sondern auch Spezialattacken, Einsteigerkombos und die individuellen Mechaniken der einzelnen Figuren. Star-Lord kann beispielsweise zwischen verschiedenen Elementarwaffen wechseln, wodurch sich seine Kombos je nach gewähltem Element unterschiedlich aufbauen lassen.

Trotzdem reichen häufig schon einfache Eingaben aus, um automatische Kombos auszuführen, während auch die Spezialattacken bewusst zugänglich gehalten sind – etwas, das man in ähnlicher Form bereits aus Dragon Ball FighterZ kennt. Dadurch fällt die Lernkurve deutlich flacher aus als bei manch anderem Genrevertreter. Gleichzeitig trifft das bekannte Motto „Easy to learn, hard to master“ hier umso mehr zu, denn unter der zugänglichen Oberfläche steckt trotzdem einiges an spielerischer Tiefe.

Ergänzt wird das Kampfsystem durch die Möglichkeit, die drei Teammitglieder für Unterstützungsangriffe oder sogar komplette Wechsel in den Kampf zu holen. Es schadet also keineswegs, auch die restlichen Figuren des eigenen Teams zumindest grundlegend zu beherrschen. Gerade auf höheren Spielniveaus werden Kombos, bei denen die Helfer gezielt eingebunden werden, zunehmend wichtiger.

Insgesamt sorgt die Tag-Team-Mechanik, wie schon bei anderen Vertretern des Genres, für jede Menge Tiefe und spielerisches Potenzial. Trotz der vier Figuren pro Team bleiben die Kämpfe dabei schnell und actionreich, ohne dauerhaft im Chaos zu versinken. Besonders bei Gelegenheitsspielern stehen die beiden aktuell kämpfenden Charaktere weiterhin klar im Mittelpunkt, während erfahrenere Spieler die Möglichkeiten des gesamten Teams wesentlich stärker ausschöpfen können. Dadurch funktioniert das Kampfsystem auf unterschiedlichen Spielniveaus erstaunlich gut.

Auch beim Balancing hinterließ Marvel Tokon bei mir bislang einen guten Eindruck, selbst wenn einzelne Figuren natürlich beliebter wirken und stellenweise etwas stärker erscheinen als andere.

Zusätzlich gibt es besonders mächtige ultimative Attacken sowie den sogenannten Tokon Assemble-Angriff, bei dem alle Teammitglieder gemeinsam eine große Kombo starten. Gerade in knappen Situationen können diese Angriffe eine beinahe verlorene Runde noch einmal zu euren Gunsten drehen. Und nicht nur spielerisch haben sie ordentlich Wucht: Auch optisch sind die Attacken hervorragend inszeniert und gehören zu den spektakulärsten Momenten der Kämpfe.

Ein neuer Stil für Marvel

Technisch präsentiert sich Marvel Tokon zumindest auf der PlayStation 5 sehr sauber. Bei der PC-Version soll es dagegen noch einige Probleme rund um das Crossplay und kleinere technische Wehwehchen geben. Meine Online-Multiplayer-Erfahrung verlief allerdings größtenteils stabil und ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Und natürlich bleibt auch die Möglichkeit bestehen, das Spiel ganz klassisch lokal mit Freunden zu spielen.

Vor allem optisch kann Marvel Tokon aber richtig überzeugen. Mit seinem stark von Anime und Manga inspirierten Stil hebt sich das Spiel deutlich von anderen Marvel-Titeln ab und entwickelt dadurch eine ganz eigene Identität. Die Charakterdesigns sind gelungen, die bislang noch etwas überschaubare Auswahl an Kampfarenen unterscheidet sich angenehm voneinander und auch die zahlreichen Spezialeffekte machen ordentlich etwas her.

Ebenso überzeugend fallen Musik und Sounddesign aus. Besonders die deutschen, aber auch die englischen Synchronsprecher leisten durchweg gute Arbeit und verleihen den Figuren zusätzliche Persönlichkeit. Dazu kommen verschiedene alternative Designs und Kostüme für die spielbaren Charaktere, wodurch sich das eigene Team zumindest optisch noch ein Stück weit individualisieren lässt.

Zusammenfassung

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