Was wird uns das Jahr 2026 bringen? Wer weiß das schon, aber es hat jedenfalls schon einmal ein neues Metroidvania gebracht. MIO: Memories in Orbit von den französischen Entwicklern Douze Dixièmes (Focus Entertainment) entführt uns auf ein Raumschiff in den Weiten des Weltalls.
MIO: Memories in Orbit ist das zweite Spiel von Douze Dixièmes, deren Erstlingswerk das 2020 erschienene Shady Part of Me war. Während das (gelungene) erste Spiel ein recht puzzle-lastiges Jump and Run war, ist das neueste Werk ein klassisches Metroidvania. Und gute Metroidvanias kann es ja bekanntlich nie genug geben. Mal sehen, ob MIO: Memories in Orbit in diese Kategorie fällt.
Wir spielen Mio, einen kleinen Roboter, der auf einem riesigen Raumschiff aufwacht und die Gegend erkundet. Die meisten anderen Lebewesen sind uns feindlich gesinnt, aber wir treffen natürlich auch immer wieder auf ein paar andere Roboter, die uns nicht sofort angreifen. Was ist hier passiert? Dazu hält sich die Einleitung des Spieles bedeckt – das müssen wir schon selber aufdecken. Irgendetwas ist jedoch offensichtlich schief gegangen – das Raumschiff ist voller amok-laufender Roboter und gefährliche Pflanzen haben sich an vielen Ecken und Enden breit gemacht. Auch die restliche Technik ist scheinbar defekt und für uns oft lebensbedrohend. Wir zerstören die uns angreifenden Roboter, sammeln Nacre Droplets auf, und erforschen das Raumschiff. Wie bei einem Metroidvania üblich, wird automatisch eine Karte mit gezeichnet. Schnellreiseportale werden freigeschalten, und an bestimmten Stellen kann gespeichert werden. Wenn wir sterben, verlieren wir die seit dem letzten Speichern eingesammelten Nacre Droplets und erwachen am letzten Speicherpunkt wieder zum Leben.

Upgrades
Mio kann Anfangs nicht viel. Neben der Bewegung eigentlich nur springen und zuschlagen. Ok, auch der Doppelsprung gehört von Anfang an zum Repertoire von Mio. Wenn ihr einen Gegner (oder Gegenstand) in der Luft trefft, bekommt ihr einen weiteren Sprung dazu. Alles Weitere muss aber erst gelernt werden. Dashen, durch die Luft gleiten, einen Greifhaken benutzen, es gibt einige nützliche – oder besser – notwendige – Upgrades für MIO. Wie bei Metroidvanias üblich, sind gewisse Orte erst mit den entsprechenden Upgrades erreichbar. Oft könnt ihr auch bereits erforschte Gebiete wieder besuchen, um mit den neuen Fähigkeiten bisher unerreichbare Extras zu holen.
Wir finden im Laufe des Spieles eine Menge an einsetzbaren Modifikationen, um Mio zu verbessern. Beispielsweise ein Modul, das uns die Lebenspunkte unserer Gegner anzeigt. Wir können aber bald nicht mehr alle Modifikationen ausrüsten – und müssen uns daher entscheiden, welche Fähigkeiten uns wichtig sind und welche nicht. Besiegte Gegner hinterlassen Nacre Droplets. Manche finden sich auch an anderen Stellen im Spiel, wie beispielsweise den oft herumliegenden Überresten von Robotern. Nacre Droplets sind die Währung im Spiel, damit kann beispielsweise unser Schutzschild wieder erneuert werden oder es können beim Händler Mel allerhand nützliche Dinge eingekauft werden.
Die Story bleibt rätselhaft – die mit der Wartung des Raumschiffes beauftragten Roboter funktionieren nicht mehr. Das ganze Schiff soll abgeschalten werden. Unsere Aufgabe ist es also, dies zu verhindern. Einfach wird das nicht, die Entwickler sprechen von 25-40 Stunden Spielzeit. Ich sehe nach über 15 Stunden noch kein Licht am Ende des Tunnels. Allerdings habe ich an manchen Stellen auch ein wenig… länger… gebraucht. Es gibt drei Einstellungen (Assists) im Spiel, mit denen ihr euch das Leben ein wenig vereinfachen könnt – Bosse werden nach jedem erfolglosen Versuch ein wenig schwächer, Mobs können euch keinen Schaden mehr zufügen solange ihr sie nicht aktiv angreift, und ihr bekommt ein zusätzliches Schild wenn ihr länger ruhig stehen bleibt. Auch wenn ihr alle drei Assists aktiviert, bleibt das Spiel immer noch durchaus fordernd.
Künstlerische Kuriositäten
Die Grafik von MIO: Memories in Orbit ist abwechslungsreich und wunderschön, wie mit Wasserfarben gemalt. Kein 3D, sondern in Pseudo-3D. MIO läuft auf auf einer 2D Ebene, aber der Vorder- und Hintergrund ist so gezeichnet, dass er eine 3D-Welt simuliert. Schaut super aus – aber natürlich könnt ihr weder im Bild nach vorne oder nach hinten laufen. Gamepads werden unterstützt, auch mein Bluetooth Google Stadia Controller funktioniert problemlos. Sprachausgabe gibt es keine, die Soundeffekte sind aber gut gemacht.
Die technischen Anforderungen an die PC-Version sind moderat. In Zeiten völlig irrsinniger RAM-Preise haben manche vielleicht immer noch nur 8 GB RAM eingebaut – was für MIO: Memories in Orbit absolut ausreichend ist. Auch die Anforderungen an eure Grafikkarte sind überaus gering – bereits eine AMD Radeon RX 460 / Nvidia GeForce GTX 1050 Ti ist stark genug, um MIO: Memories in Orbit problemlos zu spielen. Kaufen könnt ihr es auf Steam oder den jeweiligen Konsolenshops.
Zusammenfassung
FAZIT
MIO: Memories in Orbit ist anspruchsvoll. Das ist kein Spiel für Gelegenheitsspieler, sondern für Freunde gepflegter Unterhaltung auf hohem Niveau, die wissen, wie man ein Gamepad bedient. Bossgegner, Sprungsequenzen voller tödlicher Gefahren – hier hilft nur Präzision, Anwendung aller Fähigkeiten von MIO und eine schnelle Reaktion. Die Mobs (Standardgegner) sind dem gegenüber schon fast eine Erholung und nur gefährlich, wenn sie in größeren Mengen auftreten oder ihr völlig unkonzentriert spielt. MIO: Memories in Orbit richtet sich an Fans von Spielen wie Ori and the Blind Forest oder Hollow Knight: Silksong. Wer Spaß an nicht allzu einfachen Jump and Run Games hat und auch noch gerne das Metroidvania-übliche Labyrinth erkundet und seinen Charakter immer weiter verbessern will, der wird mit MIO: Memories in Orbit gut bedient. Für mich hat damit das neue Jahr jedenfalls zumindest spielerisch schon sehr gut angefangen!
