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Marathon im Test

Das Entwicklerstudio Bungie ist vor allem für die Schaffung des Halo-Franchise bekannt, das die Ego-Shooter-Szene maßgeblich geprägt hat. In den letzten Jahren – genauer gesagt seit 2017 – lag der Fokus jedoch fast ausschließlich auf dem Looter-Shooter Destiny 2, der kontinuierlich durch zahlreiche Erweiterungen ausgebaut wurde. Am 5. März ist nun aber endlich doch ein neuer Bungie-Titel erschienen: Marathon, ein PvPvE-Extraction-Shooter. Dieser soll frischen Wind in die Geschichte des Studios bringen und für neuen Schwung sorgen. Bleibt nur die Frage, ob ihm das auch tatsächlich gelingt.

Marathon ist im Grunde eine Neuauflage der gleichnamigen Trilogie, die Bungie zwischen 1994 und 1997 entwickelt hat – und diese Neuinterpretation blickt auf eine ziemlich turbulente Entwicklungszeit zurück. Gemischte Reaktionen auf den Server-Slam, eine deutliche Verschiebung des Release sowie interne Krisen des Studios sorgten früh für reichlich Gesprächsstoff. Als langjähriger Bungie-Fan – Destiny sowie Destiny 2 haben mich schließlich über viele Jahre hinweg begleitet – war ich dennoch gespannt auf das Spiel und habe inzwischen doch viele Stunden darin verbringen können.

Marathon-Thief

Willkommen auf Tau Ceti IV

Im Kern ist Marathon ein PvEvP-Shooter, der klassische Elemente des Genres mit Bungies gewohnt präzisem Gunplay verbindet. Wir schlüpfen in die Rolle sogenannter „Runner“ und landen auf dem mysteriösen Planeten Tau Ceti IV – einer verlassenen Kolonie voller Rätsel und Gefahren. Im Auftrag verschiedener Fraktionen und Konzerne, die allesamt an den Geheimnissen des Planeten interessiert sind, stürzen wir uns von Auftrag zu Auftrag in unterschiedliche Gebiete, sammeln Ausrüstung, bekämpfen Gegner und versuchen dabei, möglichst lebend wieder herauszukommen.

Das grundlegende Spielprinzip ist dabei nichts völlig Neues, und auch eine groß angelegte Story oder tiefgreifende Lore solltet ihr nicht unbedingt erwarten. Zwar gibt es einen Kodex sowie einige stilvoll inszenierte Zwischensequenzen der verschiedenen Fraktionen, doch vieles davon bleibt eher oberflächlich und hat wenig Einfluss auf das eigentliche Spielerlebnis.

Außerdem macht Marathon keinen besonders guten Job darin, seine Besonderheiten und Mechaniken verständlich zu erklären. Zahlreiche Gegenstände, Aufgaben und Fähigkeiten erschließen sich erst durch Ausprobieren. Auch das Tresor-Management sowie das allgemeine UI wirken unnötig kompliziert und teilweise umständlich in der Bedienung. Mit der Zeit gewöhnt man sich zwar daran, dennoch hätte es hier definitiv elegantere Lösungen geben können.

Der Fokus liegt aber sowieso auf dem Gameplay, der dichten Atmosphäre und dem stetigen Fortschritt während der Spielzeit. Und das muss keineswegs etwas Schlechtes sein – aber schauen wir uns doch einmal genauer an, wie sich Marathon eigentlich spielt.

Alle gegen alle

Sobald wir das Tutorial hinter uns gebracht und die Einführung halbwegs verstanden haben, geht es direkt in die nächste Runde. Alleine oder mit bis zu zwei weiteren Spielern erkunden die drei unterschiedlichen Gebiete von Tau Ceti IV. Diese sind bevölkert von sogenannten UESC-Einheiten – Ki-Gegnern, die den Planeten für sich beanspruchen – sowie weiteren Gefahren wie Zecken, giftigen Pflanzen oder versteckten Sprengfallen. Und als wäre das nicht genug, streifen auch andere Runner über die Map, die in der Regel ebenfalls nicht gerade friedlich gesinnt sind.

Im Gegensatz zu Spielen wie Arc Raiders, in denen sich Spieler häufig gegen mächtige PvE-Gegner zusammenschließen, gilt in Marathon eine deutlich rauere Regel: Bewegt sich etwas vor der Waffe, wird es ausgeschaltet. In meiner gesamten Spielzeit hat mich kein einziger Spieler verschont oder einfach ziehen lassen. Überstehen wir unseren rund 25-minütigen Einsatz, dürfen wir die erbeutete Ausrüstung behalten und werden mit einer ordentlichen Portion Erfahrung belohnt. Sterben wir hingegen, verlieren wir kompromisslos alles, was wir dabei hatten. Tja – Extraction-Shooter eben.

Mit fortschreitendem Spielverlauf und abgeschlossenen Aufträgen schalten wir innerhalb der verschiedenen Fraktionen zudem Upgrades frei. So erhalten wir nicht nur neue Ausrüstung wie Waffen, Schilde oder Heilgegenstände, sondern können auch unsere Lagerkapazität erweitern, passive Fähigkeiten freischalten und den Marktplatz ausbauen. Das sorgt dafür, dass selbst unscheinbare Fundstücke plötzlich an Wert gewinnen.

Auch die Wahl unseres Runners spielt eine wichtige Rolle, denn jeder bringt von Haus aus eigene Fähigkeiten mit. Der Recon liefert beispielsweise mithilfe von Scans wertvolle Informationen, während der Assassin sich unsichtbar über die Map bewegen kann. Gerade im Team lohnt es sich, die Fähigkeiten aufeinander abzustimmen – so verschafft man sich schnell einen taktischen Vorteil gegenüber den meisten Gegnern.

Außerdem lassen sich die unterschiedlichen Runner – insgesamt stehen sieben unterschiedliche Charaktere zur Auswahl – sowie deren Ausrüstung umfassend verbessern. Waffen kommen mit verschiedenen Modifikationen und Seltenheitsstufen, dazu gesellen sich zahlreiche Schilde, Heilitems, Granaten und Rucksäcke. Darüber hinaus können wir Mods einsetzen, die unseren Runnern besondere Fähigkeiten verleihen oder ihre Werte verbessern. Je gefährlicher das Gebiet, desto größer ist auch die Chance auf wertvollen Loot – und entsprechend intensive Gefechte.

Für das Endgame arbeiten die Entwickler ebenfalls bereits an neuen Inhalten. Ein Beispiel ist die kürzlich hinzugefügte „Cryo Archive Zone“, die als ultimative Herausforderung gedacht ist. Dort warten stärkere Gegner, einige Rätsel und eine mysteriöse Entität, die zusätzlich für Druck sorgt. Die Zone ist nicht nur anspruchsvoll, sondern auch atmosphärisch hervorragend umgesetzt und wird von vielen Spielern in verschiedene Foren gelobt. Allerdings ist sie alles andere als zugänglich: Ohne ein eingespieltes Team, gute Ausrüstung und eine Portion Glück wird ein erfolgreicher Extract hier schnell zur Ausnahme.

Was Marathon besonders macht

Auf dem Papier ist Marathon also bereits ein solider Shooter. Was ihn jedoch wirklich von vielen Genrevertretern abhebt, ist das Gunplay. Schon bei Halo und Destiny wurden Waffendesign und Kampfgefühl zurecht gelobt – und genau hier knüpft Marathon nahtlos an.

Die Gefechte folgen dabei vor allem einem Prinzip: Tempo. Jede Waffe – allesamt in einem abstrakten, futuristischen Stil gehalten – fühlt sich wuchtig und präzise an. Schüsse haben spürbaren Impact, und auch die Bewegung ist, solange die Ausdauerleiste mitspielt, angenehm schnell. Die Kämpfe wirken oft chaotisch und intensiv, lassen aber dennoch genug Raum für taktische Entscheidungen und schnelle Reaktionen.

Gerade in scheinbar aussichtslosen Situationen entstehen die besten Momente: Wenn man als letzter Überlebender mit einer gut platzierten Granate doch noch das Blatt wendet, sorgt das für einen echten Adrenalinschub. Genau von solchen Szenen lebt Marathon – und überraschenderweise treten sie häufiger auf, als man es von einem so PvP-lastigen Spiel erwarten würde.

Natürlich gehört häufiges Sterben zum Konzept dazu, doch das starke Gameplay macht das mehr als wett. Statt Frust entsteht eher der Drang, direkt das nächste Loadout zu schnappen und wieder in die nächste Runde zu starten. Auch solo oder mit zufälligen Mitspielern funktioniert das Spiel gut. Sein volles Potenzial entfaltet Marathon aber klar im Team mit Freunden – dort entstehen die intensivsten Gefechte und die besten Geschichten.

Grafisch präsentiert sich Marathon mit einem eigenständigen Stil: ungewöhnliche Architektur trifft auf knallige Farben. Das ist letztlich Geschmackssache – technisch und handwerklich ist die Optik aber durchweg gelungen. Vor allem die Wettereffekte wissen zu überzeugen, und insgesamt gibt es visuell wenig zu beanstanden.

Ein besonderes Highlight ist zudem das Sounddesign, insbesondere in geschlossenen Bereichen. Jedes noch so kleine Geräusch wirkt erstaunlich immersiv – seien es die Schritte von Gegnern, das Knarren von Metall oder Wind und Regen, die gegen Fenster und Wände peitschen. Auch die verschiedenen Gebiete sind angenehm abwechslungsreich gestaltet: von offenen Arealen über verwinkelte Anlagen bis hin zu gefährlichen Events ist alles vertreten.

Technisch lief jedoch nicht von Anfang an alles rund. Gerade zu Beginn kam es vereinzelt zu kleineren Bugs – etwa wenn man an Kanten hängen blieb oder Aufgabenmarker länger als vorgesehen sichtbar waren. Mit der Zeit wurden diese Probleme jedoch spürbar weniger, und in meinen letzten 15 Spielstunden trat kein Fehler mehr auf, an den ich mich erinnern würde. Die KI-Gegner solltet ihr zudem auf keinen Fall unterschätzen. Sie sind überraschend kompetent programmiert und stellen oft eine ebenso große Gefahr dar wie andere Spieler.

Zusammenfassung

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