Mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales liefert uns Square Enix ein weiteres HD-2D-RPG, das bereits auf den ersten Blick pure Nostalgie versprüht. Schon die ersten Trailer machten einen vielversprechenden Eindruck, und das Echtzeit-Action-Kampfsystem soll frischen Wind in das Genre bringen. Doch letztlich stellt sich die entscheidende Frage: Kann das Abenteuer rund um den jungen Helden Elliot und seine feenhafte Begleiterin Faie auch spielerisch überzeugen? Genau das haben wir uns für euch angesehen.
Ein junger Held mit Schwert und Schild, eine Fee an seiner Seite und die Aufgabe, die Welt vor einer finsteren Bedrohung zu retten. Bereits während der Demo kam mir diese Formel verdächtig bekannt vor. Wer sich durch die bisherigen Previews liest, wird schnell feststellen, dass zwischen The Adventures of Elliot und der Videospielreihe The Legend of Zelda immer wieder Vergleiche gezogen werden.
Allerdings ist das keineswegs etwas Schlechtes. Zum einen bin ich selbst großer Zelda-Fan, zum anderen ist es in der Spielebranche nichts Ungewöhnliches, sich von erfolgreichen Konzepten inspirieren zu lassen. Das Ergebnis ist ein gelungenes RPG, das vor allem eines schafft: Es weckt dieses Gefühl von Abenteuer und Entdeckung, das viele von uns nur noch aus ihrer Kindheit kennen.

Königreich in Not
Wie bereits erwähnt, ist unser Protagonist Elliot ein talentierter Abenteurer und Verfechter des Guten. Kein Auftrag ist ihm zu klein, und für Menschen in Not hat er stets ein offenes Ohr. So unterstützt er beispielsweise ein Waisenhaus, dessen Bewohner er als seine Familie betrachtet. Dabei ist das Leben als Abenteurer in der Welt Philabieldia alles andere als ungefährlich. Das Königreich Huther stellt die letzte Bastion der Menschheit dar, und nur der Schutzzauber der Prinzessin sorgt dafür, dass die Monster außerhalb der Mauern bleiben.
Immer wieder tauchen in den ungezähmten Regionen rund um Huther geheimnisvolle Ruinen auf. Diese bergen zwar zahlreiche Schätze und Geheimnisse, fordern jedoch auch viele Opfer unter den Soldaten des Königs. Als eines Tages eine besonders rätselhafte Ruine erscheint, beschließen der König und seine Berater, nicht etwa ein ganzes Heer zu entsenden, sondern einen einzelnen Abenteurer: Elliot. Schon bald stellt sich heraus, dass sich in den Tiefen der Ruine etwas von enormer Bedeutung verbirgt. Dort befindet sich ein Portal, das Reisen durch die Zeit ermöglicht.
Soweit zur Ausgangslage. Natürlich dauert es nicht lange, bis diese Macht missbraucht wird und der Lauf der Geschichte verändert werden soll. Elliot macht sich daraufhin auf die Jagd nach dem Verantwortlichen, um die Zeitlinie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auf seiner Reise begegnet er außerdem der geheimnisvollen Faie. Die junge Fee leidet unter großer Einsamkeit, da sie von niemandem gesehen oder gehört werden kann. Elliot bildet die einzige Ausnahme, weshalb die beiden schnell zu einem ungleichen, aber sympathischen Duo werden.
Die Geschichte rund um Elliot und Faie mag stellenweise etwas vorhersehbar sein, und auch die wichtigsten Figuren erfinden bekannte Fantasy-Archetypen nicht neu. Gerade Elliot erfüllt die Rolle des klassischen Helden nahezu bilderbuchhaft. Dennoch gelingt es dem Spiel, seine Handlung spannend zu erzählen. Die Dialoge sind gut geschrieben, die Charaktere sympathisch und die Balance zwischen ernsten Momenten und humorvollen Einlagen stimmt ebenfalls.
Besonders gelungen sind die vier verschiedenen Zeitalter, die wir im Verlauf des Abenteuers bereisen. Jedes von ihnen besitzt seine eigenen Bewohner, Konflikte und Besonderheiten und zählt damit zu den größten Highlights des Spiels. Gleichzeitig erfahren wir mehr über die Geschichte der Welt selbst. Verbindungen, Geheimnisse und offene Fragen, die zu Beginn noch rätselhaft erscheinen, werden nach und nach aufgegriffen und sinnvoll in die Handlung eingebunden.
Dank zahlreicher Nebenaufgaben sowie mehrerer Enden bietet The Adventures of Elliot zudem einen beachtlichen Umfang. Vor allem aber schafft es das Spiel, die Neugier auf das nächste Kapitel konstant aufrechtzuerhalten. Ich habe mich jedenfalls von Anfang bis Ende immer darauf gefreut, die Geschichte weiterzuerleben.
Neues Kampfsystem mit Pixelcharme
Im Gegensatz zu Genrevertretern wie Octopath Traveler setzt The Adventures of Elliot auf ein actionreiches Echtzeit-Kampfsystem und liefert damit eine der größten Neuerungen des Spiels. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Waffen, darunter Schwert, Bogen, Speer und Bomben, stellen wir uns den verschiedensten Gegnern entgegen. Von Werwölfen über fliegende Hühnerkrieger bis hin zu deutlich gefährlicheren Kreaturen ist die Gegnervielfalt erfreulich groß.
Jede Waffe verfügt neben ihren normalen Angriffen über eine eigene Spezialtechnik, die sich im Kampf unterschiedlich einsetzen lässt. Zur Verteidigung trägt Elliot außerdem einen Schild, mit dem sich gegnerische Angriffe blocken lassen. Allerdings hält dieser nicht unbegrenzt stand. Nach zu vielen Treffern zerbricht er und muss sich erst wieder regenerieren. Wer erfolgreich sein möchte, sollte deshalb nicht nur blocken, sondern auch auf seine Positionierung achten und Angriffen möglichst komplett ausweichen. Zusätzlich stehen verschiedene Gegenstände und Accessoires zur Verfügung, die weitere taktische Möglichkeiten eröffnen. Einige erlauben es beispielsweise, für kurze Zeit durch die Luft zu schweben.
Auch Faie ist weit mehr als nur die obligatorische Begleiterin mit lockeren Sprüchen. Sollte Elliot im Kampf zu Boden gehen, kann sie ihn wiederbeleben, allerdings nicht kostenlos. Für ihre Magie verlangt sie eine Gebühr, die mit jedem weiteren K.o. vor dem nächsten Kontrollpunkt ansteigt. Darüber hinaus lässt sich Faie unabhängig von Elliot steuern. Alternativ kann sogar ein zweiter Spieler lokal die Kontrolle übernehmen. So sammelt sie Gegenstände ein, greift Gegner an und unterstützt aktiv im Kampfgeschehen. Im Verlauf der Geschichte erlernt sie zudem verschiedene Zauber, mit denen sie Elliot beschleunigen oder Feuer beschwören kann. Das macht sie zu einem wertvollen Bestandteil des Gameplays.
Ein weiteres zentrales System sind die sogenannten Maginite. Diese erhält man unter anderem von besiegten Gegnern und Bossen und kann daraus Juwelen herstellen, die einzelne Waffentypen verbessern. So lässt sich etwa die Ladezeit von Spezialangriffen verkürzen, der verursachte Schaden erhöhen oder die kritische Trefferchance steigern. Welche Juwele man erhält, unterliegt allerdings teilweise dem Zufall. Dadurch kann die Suche nach bestimmten Juwelen etwas zeitaufwendig werden. Während Fans von Loot-Systemen daran vermutlich ihre Freude haben werden, könnten andere Spieler diesen Aspekt als unnötiges Grinding empfinden. Da man jedoch ohnehin ständig kämpft, mangelt es selten an Ressourcen für neue Verbesserungen.
Besonders anspruchsvoll präsentiert sich das Kampfsystem zunächst nicht. Zwar ziehen der Schwierigkeitsgrad und die Komplexität der Gegner im späteren Spielverlauf spürbar an, doch selbst auf der höchsten Schwierigkeit wirken die Kämpfe nie unfair oder übermäßig frustrierend. Dafür überzeugen sie mit gelungenem Gegnerdesign, starker Inszenierung und einem angenehmen Spielgefühl. Gerade die Kombination aus Elliots Waffenfähigkeiten und Faies magischer Unterstützung sorgt regelmäßig für unterhaltsame Gefechte.
Ein kleiner Kritikpunkt ist allerdings die Kamera. Vor allem in der offenen Spielwelt kann es vorkommen, dass Gegner hinter Klippen, Gebäuden oder anderen Umgebungsobjekten verschwinden, wenn man einen ungünstigen Blickwinkel erwischt. Das sorgt gelegentlich für unnötige Treffer und etwas Frust. Abgesehen davon hinterlässt das Kampfsystem jedoch einen äußerst ausgereiften Eindruck und funktioniert über weite Strecken trotz seiner Simplizität ziemlich gut. Dabei haben wir noch gar nicht über die Erkundung und die zahlreichen Ruinen gesprochen. Genau dort wartet nämlich die größte Stärke von The Adventures of Elliot.
Eine Spielwelt wie aus der Kindheit
Die Welt von The Adventures of Elliot überzeugt nicht nur mit ihrer hübschen und abwechslungsreichen Optik, sondern vor allem durch ihren Entdeckergeist. Hinter nahezu jeder Ecke warten Geheimnisse, versteckte Pfade oder Orte, die zum Erkunden einladen. Auf unserer Reise stoßen wir auf unzählige Schatztruhen, Ruinen und optionale Bereiche, weshalb sich kleine Umwege fast immer lohnen. Darüber hinaus schalten wir im Laufe des Spiels neue Möglichkeiten frei, um bislang unerreichbare Gebiete zu erschließen. So können wir später beispielsweise Felsen sprengen oder Hindernisse mit einem Hammer beseitigen und dadurch neue Wege öffnen.
Vor allem die zahlreichen Ruinen bieten reichlich Belohnungen für neugierige Spieler. Wer die dortigen Kämpfe und Herausforderungen meistert, wird oft mit wertvollen Gegenständen oder Ausrüstungsverbesserungen belohnt. Dabei sind nicht nur schnelle Reflexe gefragt, sondern gelegentlich auch ein wenig Köpfchen. Immer wieder stoßen wir auf Rätsel, bei denen Statuen verschoben, Lichtstrahlen umgeleitet oder Schalter aktiviert werden müssen.
Zugegeben, diese Puzzle-Elemente erfinden wirklich nichts neu. Gerade weil sie aber so stark an klassische Abenteuer erinnern, haben sie mir besonders gut gefallen. Die Ruinen versprühen einen Charme, den man heute nur noch selten findet. Vor allem Fans von klassischen Dungeon-Designs werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Tatsächlich fühlte ich mich bei vielen Abschnitten an die alten Teile der Videospielreihe The Legend of Zelda erinnert. Solche klassischen Dungeons mit Rätseln, Geheimnissen und einzigartigen Bossen sind in dieser Form inzwischen eher selten geworden.
Besonders motivierend ist dabei die Belohnungsstruktur. Immer wieder entdeckt man stärkere Waffen, seltene Schätze oder Lebensfragmente, von denen jeweils vier Stück benötigt werden, um die maximale Lebensenergie dauerhaft zu erhöhen. Dieses altbewährte Prinzip sorgt dafür, dass sich nahezu jede Erkundungstour lohnt und der Entdeckerdrang stets belohnt wird. Den krönenden Abschluss jeder größeren Ruine bildet schließlich ein Bosskampf, die ohnehin zu den spielerischen Höhepunkten des neuen Kampfsystems zählen.
Neben den Dungeons stößt man außerdem regelmäßig auf mysteriöse Tempel, die optionale Herausforderungen bereithalten. Wer diese meistert, erhält wieder Belohnungen wie Währung, Lebensfragmente oder neue Zauber für Faie. Dazu kommen versteckte Höhlen, geheime Pfade und zahlreiche weitere Schauplätze, die die Welt lebendig wirken lassen.
Zwischen den verschiedenen Regionen kann man sich zudem bequem teleportieren. Dafür müssen lediglich die bereits erwähnten Checkpoints gefunden und aktiviert werden. Das verhindert unnötig lange Laufwege und sorgt dafür, dass die Erkundung stets angenehm bleibt. Zwar handelt es sich bei The Adventures of Elliot nicht um eine klassische Open World, doch die Gestaltung der Welt weckte bei mir regelmäßig denselben Entdeckerdrang. Mehr als einmal habe ich die Hauptquest völlig vergessen, weil ich unbedingt herausfinden wollte, wie ich an eine scheinbar unerreichbare Truhe auf einem Felsvorsprung gelangen kann.
Auch technisch hinterlässt das Spiel einen guten Eindruck. Auf der PS5 lief das Abenteuer während meines Tests durchgehend stabil und ohne nennenswerte Probleme. Der Soundtrack bewegt sich ebenfalls auf dem gewohnt hohen Niveau, das man von Square Enix erwarten darf.
Die HD-2D-Pixelgrafik wird sicherlich nicht jeden Geschmack treffen. Wer jedoch eine Schwäche für klassische Rollenspiele oder diesen besonderen Grafikstil hat, dürfte mit The Adventures of Elliot sehr glücklich werden. Zwar gibt es technisch beeindruckendere Titel auf dem Markt, doch die stimmungsvolle Beleuchtung, die aufwendigen Spezialeffekte und die gelungene Schattenführung sorgen immer wieder für echte Hingucker. Gerade dadurch gelingt dem Spiel der Spagat zwischen nostalgischem Charme und moderner Präsentation besonders gut.
Zusammenfassung
FAZIT
Der größte Kritikpunkt an The Adventures of Elliot ist wohl, dass das Spiel sehr oft den sicheren Weg wählt. Kaum eine seiner Ideen wirkt wirklich neu oder revolutionär. Stattdessen greift es auf bewährte Konzepte zurück und entwickelt diese nur behutsam weiter. Auch die Inspiration durch die Videospielreihe Zelda ist kaum zu übersehen und dürfte manchen Spielern stellenweise sogar etwas zu deutlich ausfallen. Hinzu kommt, dass das Kampfsystem trotz seines hohen Spielspaßes vergleichsweise simpel bleibt. Wer besonders komplexe oder extrem anspruchsvolle Actionkämpfe sucht, könnte hier auf Dauer etwas unterfordert sein. Auch einige Figuren bedienen recht klassische Fantasy-Archetypen und überraschen nur selten.
Gleichzeitig ist genau das die größte Stärke des Spiels. The Adventures of Elliot vermittelt das Gefühl, ein Abenteuer aus vergangenen Tagen zu erleben, ohne dabei altbacken zu wirken. Die Geschichte mag einfach sein, ist aber charmant erzählt. Die Spielwelt lädt mit ihren Geheimnissen und Dungeons zum Erkunden ein, während der Gameplay-Loop konstant motiviert und immer wieder mit gelungenen Rätseln, spannenden Bosskämpfen und lohnenden Entdeckungen belohnt.
Vor allem aber trifft das Spiel einen Nerv, den viele moderne Titel nur selten erreichen: Es weckt die Freude am Entdecken und Staunen. Mehr als einmal fühlte ich mich an meine ersten Erfahrungen mit Videospielen erinnert, als hinter jeder Ecke noch ein Geheimnis warten konnte und jede neue Region zum Abenteuer wurde.
Wer über die fehlende Innovationskraft hinwegsehen kann, erhält mit The Adventures of Elliot ein bodenständiges, aber äußerst unterhaltsames Action-RPG. Es erfindet das Genre nicht neu, beherrscht seine Stärken jedoch so souverän, dass am Ende ein rundum gelungenes Abenteuer entsteht, das vor allem Fans klassischer Fantasy-Spiele begeistern dürfte.

